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Zu Pallaseisen

Helmerssen

Kurzfassung

Bei dem lebhaften Interesse, das Sie an dem Studium der Meteoriten nehmen und bei dem bedeutenden Antheil, den Sie an Allem genommen, was namentlich zur näheren Untersuchung des Pallaseisens geschehen ist, werden Ihnen die folgenden Mittheilungen über letzteres nicht unwillkommen sein. Das in zwei Hälften zersägte Pallaseisen ist nun seit fast einem Jahre aus der Peterhofer Steinschleiferei, wo das Durchschneiden ausgeführt wurde, nach dem Museum der Akademie der Wissenschaften zurückgebracht und jede Hälfte der zerschnittenen Masse unter eine Glaskapsel gelegt worden. Neuere Untersuchungen der Pallasmasse sind nach den letzten Ihnen bekannten, von Kokscharow veröffentlichten, nicht geschehen. Aber unsere Akademie hat eine genaue geologische Untersuchung der Localität und ihrer Umgebungen, in welcher das Pallaseisen gefunden wurde, veranlasst. Sie haben in Zeitschriften und sogar in politischen Tageblättern die von den verschiedensten Seiten her geäusserten Ansichten über den kosmischen oder terrestrischen Ursprung der grönländischen Steine von Ovifak gelesen. Kaum hatte Nordenskjöld sie als wahre Meteoriten in die Welt geschickt, als sein Begleiter, der jüngere Steenstrup, diese Massen für nichtkosmische, terrestrische erklärte. Es giebt schon eine ganze Literatur über die Steine von Ovifak. Ich habe selbst manches darüber gelesen und in letzter Zeit noch die sehr reservirten Aeusserungen Daubrée's und die kühnen Behauptungen des Herrn Chancourtois in den Schriften der Pariser geologischen Gesellschaft. Chancourtois bringt ja sogar den Fundort des Pallaseisens in Verbindung mit Beaumont's endlosen Erhebungslinien. Freund Abich in Tiflis hatte diese Dinge auch gelesen und regte in einem Briefe an Goebel zuerst den Gedanken an, die Fundstätte des Pallaseisens untersuchen zu lassen. Diesem Vorschlage stimmten sofort mehrere Mitglieder unserer Akademie lebhaft bei, namentlich Schmidt, Schrenck und ich, und auch Kokscharow schloss sich uns an. Nachdem ein in Krasnojarsa in Ostsibirien wohnender, mit der Geologie des Landes gut bekannter Berg - Ingenieur, Her Lopatin, uns telegraphisch die Einwilligung dazu gegeben hatte, wurde er von der Akademie beauftragt, die gewünschte Untersuchung im Juli dieses Jahres zu unternehmen. Die erforderlichen Geldmittel, sowie eine von mir entworfene Instruction und Abschriften aller, das Pallaseisen behandelnden Stellen aus Pallas's Reisewerk, sind an Herrn Lopatin bereits im März mit der Post abgegangen. Als ich die bezüglichen Stellen im Pallas las, fiel mir am meisten der Bericht des Obersteigers Mettich auf, der auf demselben Berge und ganz in der Nähe des Punktes, wo das Pallaseisen damals noch lose auf der Erdoberfläche lag, ein sehr reiches Eisenerz erschürft hatte. Das erinnert allerdings etwas an Ovifak. Im November dieses Jahres dürfen wir wohl Lopatin's Berichte erwarten und ich will sie Ihnen dann ungesäumt mittheilen.