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Beobachtungen auf Vulkanen

Karsten, Hermann

Kurzfassung

Die Schilderung des Dr. Reiss von seiner Besteigung des Gotopaxi erinnerte mich an meine ähnlichen Besteigungen des Cumbal, des Chilés, des Imbabura etc., die aber alle darin weniger beschwerlich waren, dass ich in einem Tage wieder zu menschlichen Wohnungen zurückkehren konnte, daher ich nicht die Beschwerden und Gefahren, in jenen hochgelegenen Einöden zu übernachten, zu ertragen hatte. Die Besteigung des Cumbal musste ich in gleicher Weise durch Einbauen von Stiegen in die steile Eiskuppe ermöglichen, bei welcher Gelegenheit ich eine schöne Gletschereis-Höhle auffand. Ebenso stimmt Alles was Prof. Wolf berichtet mit meinen Wahrnehmungen überein, z. B. dass das ganze Hochthal der Cordilleren aus zahllosen Ergüssen von Lavaströmen und Tuffmassen besteht, dass es eine falsche Ansicht sein würde, sich die Andesitkolosse der Anden als homogene Massen zu denken, dass die meisten, wenn nicht alle ecuadorianischen Vulkane der Hauptsache nach aus Lavaströmen aufgebaut sind etc.; auch mir schienen diese bald dichten, bald porphyrartigen, oft basaltisch abgesonderten Andesitbänke gleich Lavaströmen hervorgequollen und bezeichnete ich sie deshalb in meinem Vortrage ,Ueber die geognostischen Verhältnisse des westlichen Columbien" (Bericht der Naturforscher-Versammlung in Wien 1856) gleichfalls als solche; nur darin kann ich den beiden genannten Forschern nicht beistimmen, dass diese Lavaströme der Jetztzeit angehören, muss sie vielmehr für tertiäre Laven von zum Theil unterseeischen Vulkanen halten. Aus diesem Grunde kann ich auch nicht mit Prof. Wolf ,Boussingault's Hebungstheorie" völlig verwerfen; mir scheint vielmehr, wie ich dies schon in dem bezeichneten Vortrage erörterte, die Wahrheit in der Mitte zu liegen.