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Über die allgemeinen geologischen Verhältnisse von China

von Richthofen, Ferdinand

Kurzfassung

Herr Von Richthofen trug über die allgemeinen geologischen Verhältnisse von China vor, indem er auf die Verbreitung des Gneisses als Grundgebirges, des Silurs, Devons, Carbons und der Trias hinwies. Seit der Periode der Trias scheinen die Ablagerungen allgemeiner Meeresbedeckung in jenen ausgedehnten Ländergebieten zu fehlen, woraus der Schluss gezogen wird, dass seit dieser Zeit jene Gegenden nicht mehr vom Meere bedeckt gewesen seien. In den nördlichen Provinzen und namentlich in Tschili, Shansi, Shensi und Kansu erreicht der Löss eine überaus grosse Verbreitung und findet sich überall da, wo er späterhin nicht weggewaschen, erodirt ist. Dieses Gebilde ist dem rheinischen Löss ganz ähnlich und steht in senkrechten, selbst überhängenden Wänden von 400 bis 500 Fuss Höhe an. Der Hoang-ho, der gelbe Fluss, hat seinen Namen von dem Löss, welchen er fortspült, die gröberen sandigen Theile in seinem Bette zum Nachtheile der Schifffahrt zurücklässt und die feineren in das gelbe Meer führt. Der Löss zeigt eine Neigung zu senkrechter Absonderung; wo der gelbe Fluss die hohen Wände berührt, unterwäscht er dieselben und grosse Massen stürzen herab, welche auf die angegebene Weise von dem fliessenden Wasser separirt werden. Die Mächtigkeit des Löss erreicht bis 1500 Fuss; die Kalkconcretionen (Lössmännchen) finden sich in bestimmten Horizonten, Gebirgsschutt verbreitet sich dazwischen bis zu eine Meile vom Rande des Beckens entfernt, während Lösslagen von 2 bis 50 Fuss dazwischen liegen; dieselben sind um so mächtiger, je weiter vom Rande entfernt. Die Terrassenbildung ist sehr auffallend. Die Kalk- oder Mergelconcretionen stehen aufrecht. Die Bildung dieses Löss - den Pumpelly in der Nähe von Pecking als Terrace loam bezeichnet bat - ist, soweit es China betrifft, auf trockenem Lande vor sich gegangen. Spuren vormaliger Gletscher fehlen durchaus in diesem Theile von China, so dass diese durchaus von der Lössbildung ausgeschlossen bleiben. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass die Canäle, welche von Pflanzenwurzeln herrühren, in jeder Höhe im Löss vorkommen, dass die Schnecken an der Stelle gelebt haben, wo sich deren Schale noch gegenwärtig findet und dass sich daher der Löss nur in der Weise von unten aufgebaut haben kann, indem die Staubstürme, welche noch jetzt in Nord-China herrschen, die Pflanzen bedeckt haben, indem durch die Wurzeln die festen Bestandteile aufgesaugt werden und indem die Massen fortdauernd durch die atmosphärischen Niederschläge langsam von den höheren Gegenden den tieferen zugeführt werden. Auf diese Weise geht noch gegenwärtig die Lössbildung in den Steppen der Mongolei unter unseren Augen vor sich, in den Becken von Centralasien, welche keinen Abfluss in das Meer besitzen, wo also alle durch Verwitterung der Gesteine gebildeten losen Massen nothwendig in dem Becken selbst zur Ablagerung kommen und sich in den tiefsten Punkten Seen bilden müssen, sobald die Verdunstung der Regenmenge nicht mehr das Gleichgewicht hält. Der Salzgehalt dieser Seen kann in den Steppen Centralasiens nicht von einer Meeresbedeckung abgeleitet werden, welche in so neueren Zeiten nicht stattgefunden hat, sondern nur von dem Gehalt der zerstörten Gebirgsmassen, daher auch die Beschaffenheit der Salze in jedem Becken verschieden ist. Bei der Vergleichung des Lössbeckens von China mit den Salzwasserbecken von Centralasien findet sich, dass bei dem ersteren eine Vermehrung der jährlichen Regenmenge in dem Grade seit seiner Bildung stattgefunden haben möchte, dass sich eine mächtige Abflussrinne in das Meer gebildet und dadurch eine vollständige Auslaugung des ehemaligen Salzgehaltes möglich geworden ist. Aus diesen klimatischen Veränderungen ergeben sich die Verhältnisse zwischen der Grösse der Becken und der auf ihrem Grunde vorhandenen Seen. Die Ausfüllung der Seen giebt zu geschichteten Absätzen Veranlassung, welche sich wesentlich von denen des Lössgebietes in Nord-China unterscheiden und doch aus denselben Materialien zusammengesetzt sind.