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Über den Begriff Thon, Lehm, Sand und Löss

Orth

Kurzfassung

Im Anschlüsse an diese Mittheilungen sprach Herr Orth aus Berlin über den Begriff Thon, Lehm, Sand und Löss, und entwickelte, dass im Interesse einer grösseren petrographischen Bestimmtheit für die Wissenschaft und die praktischen Interessen des Lebens eine genauere Festsetzung der specifischen Eigenthümlichkeit und eine eingehendere Charakteristik und Begrenzung sich als nothwendig herausstelle. Herr O. Böttger bemerkt dazu, dass in hiesiger Gegend wesentlich drei Formen von Lehm zu unterscheiden seien: Berglehm, eigentlicher Löss und Thallehm. Der erstere sei kalkfrei oder fast kalkfrei, petrefactenleer und als Zersetzungsproduct der Sericitschiefer meist hoch an den Abhängen des Taunus leicht nachzuweisen. Der Löss lagere in etwas tieferen Niveaus. Der Thallehm sei in hiesiger Gegend nur auf die nächste Umgebung des Mains beschränkt. Als besonders charakteristische Petrefacte desselben sind anzuführen Succinea Pfeifferi, Helix hortensis neben den bekannteren Lössconchylien. Herr Struckmann aus Hannover hebt in Bezug auf den Vortrag des Herrn Orth die Wichtigkeit des Sand und Lehm für die Landwirthschaft und ganz besonders der genauen Berücksichtigung dieser Gebilde bei der geologischen Landesuntersuchung des nördlichen Tieflandes hervor. Herr Jentzsch aus Leipzig machte einige Bemerkungen über die Abgrenzung von Löss und Lehm (conf. diese Zeitschr. diesen Bd. pag. 736. Herr Von Richthofen erläuterte nochmals seine Ansicht über die Bildung des Löss in China und über den Antheil, welchen daran Wind und Wasser genommen habe. Schliesslich machte Herr R. W. Raymond auf die Analogie der in Asien und Amerika bestehenden Flusssysteme, denen der Abfluss in das Meer fehle, aufmerksam und erklärte sich mit den von v. Richthofen vorgetragenen Ansichten einverstanden, wobei er einige Verhältnisse der amerikanischen Salzseen und ihrer näheren Umgebungen ausführlicher berücksichtigte.