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Über die tithonische Stufe

Zittel, Karl

Kurzfassung

Die Untersuchung der Stramberger Gastropoden bestätigt im Wesentlichen das bereits bei den Cephalopoden gewonnene Resultat, dass die Fauna der oberen Tithonbildungen eine sehr eigenthümliche sei, dass sie der Mehrzahl nach aus neuen Formen bestehe. Unter 143 Arten befinden sich nur 25, welche auch in der älteren Abtheilung dieser Stufe vorkommen; 17 gehen von der Juraformation in die Stramberger Schichten herauf, und zwar finden sich von diesen 6 im Diceraskalk von Kelheim, 6 im oberen Coralrag von Valfin, 4 im oberen Coralrag von St. Mihiel, Châtel-Censoir etc. und 4 im Kimmeridgien und Portlandien. Im ganzen Habitas, in der numerischen Vertheilung der Gattungen und Arten stellt sich die Stramberger Gastropoden-Fauna den in jurassischen Corallenbildungen bekannten Formenvereinigungen am nächsten, dagegen weichen die einzelnen Vertreter der Gattung mit wenigen Ausnahmen specifisch von den verwandten jurassischen Formen ab. In den älteren Kreidegebilden fehlt bis jetzt eine an Gastropoden reiche Corallenfacies und daraus erklärt sich wohl der Umstand, dass die Stramberger Gastropoden ein entschiedener jurassisches Gepräge tragen, als die Cephalopoden. Am engsten ist die Gastropodenfauna der Stramberger Schichten mit jener der älteren Tithonstufe verbunden und da letztere unbestritten der Juraformation angehört, so wird man die jüngeren Tithonablagerungen ebenfalls dieser Formation zuweisen müssen. Der Vortragende hebt schliesslich noch das Vorkommen von Collectivtypen, d.h. von Formen hervor, welche die Merkmale verschiedener recenter Gattungen in sich vereinigen.