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Ansprache zum Gedenken des 25jährigen Bestehens der Deutschen geologischen Gesellschaft

Beyrich, E.

Kurzfassung

Meine Herren! Wir sind heute in grösserer Zahl als gewöhnlich versammelt und von aussen her sind Mitglieder zu uns gereist, um gemeinschaftlich mit uns den heutigen Tag zu feiern. Es war der erste Mittwoch des Januar 1849, damals der 4. Januar, an welchem Tage die Deutsche geologische Gesellschaft, nachdem sie sich constituirt hatte, die erste ordentliche Sitzung abhielt, in welcher wissenschaftliche Mittheilungen gemacht wurden. Mit unserer heutigen Sitzung tritt die Gesellschaft in das zweite Vierteljahrhundert ihrer Thätigkeit ein. Gestatten Sie mir, ehe wir diesen neuen Abschnitt unserer Arbeiten beginnen, Sie mit einigen Worten in die Zeit Zurück zu versetzen, in welcher unsere Gesellschaft entstanden ist. Vor 25 Jahren gab es in Deutschland bereits eine ansehnliche Zahl von naturforschenden Gesellschaften, in welchen die Geognosie gleich allen anderen naturhistorischen Disciplinen mitbehandelt wurde. Es gab aber in Deutschland noch, keinen Verein, welcher die Förderung der geologischen Wissenschften zum alleinigen Gegenstände seiner Thätigkeit gemacht hatte, während in England schon seit dem Jahre 1807 die Londoner geologische Gesellschaft und in Frankreich seit dem Jahre 1830 die französische geologische Gesellschaft ihre einflussreiche Wirksamkeit entwickelt hatten. Aus dem Gedanken, dass ein Verein in Deutschland wohl in ähnlicher Weise wie die französiche und die englische Gesellschaft auf das Studium der Geologie fördernd einwirken könnte, ging der Plan hervor, eine Deutsche geologische Gesellschaft hier in Berlin zu gründen.Die Ausführung des Planes fällt in die Zeit der unruhigsten politischen Zustande Deutschlands,- in eine Zeit, wo man weit davon entfernt war, leicht und allseitig Bestrebungen zuzustimmen, welche, von hier ausgehend, geistiges und politisches Leben in Deutschland zu heben beabsichtigten. Leicht wäre es gewesen, in jener Zeit hier in Berlin eine Berliner geologische Gesellschaft zu gründen, welche dem vorhandenen Bedürfniss der hier lebenden Geologen, sich zu gegenseitiger Mittheilung zu vereinigen und durch gemeinsame geregelte Thätigkeit die Wissenschaft weiter zu führen, genügt hätte. Es war aber in der That kein leichtes Unternehmen, mit Aussicht auf Erfolg hier eine Gesellschaft gründen zu wollen, welche nicht blos eine Berliner, sondern eine Deutsche geologische Gesellschaft zu sein, den Anspruch erhob.