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Silurische Schwämme und deren eigentümliche Verbreitung, ein Beitrag zur Kunde der Geschiebe

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

So lange ich die Insel Sylt kenne-seit 1846-ist mir daselbst eine Singularität in Geschieben auffallend gewesen. - Am Strande dieser Insel, welcher gar nicht sehr steinreich ist, weil in der Küstenwand nur eine Decke jüngeren Diluviums auf weissem Quarzsande der Miocänformation liegt, finden sich einzelne kleine meist ziemlich scharfkantige Gesteinsstücke, die man, da sie mit Säuren nicht brausen, dem Habitus nach für lockeres poröses Thongestein hält, die aber durch ihre Farbe unter allen anderen Geschieben das Auge auf sich ziehen. Dieselben sind, namentlich am feuchten Meeresstrande liegend, ausgezeichnet durch die, in der Mineralwelt so höchst seltenen, Farben des Lavendelblauen und Smalteblauen. Sie zeigen das Lavendelblau noch leuchtender als der Porcellanjaspis, das Smalteblau noch intensiver als die Chalcedonafterkrystalle, und gehen in selteneren Fällen über in das schwärzliche Violblau, das man am stinkenden Flussspath kennt. Je seltener diese Farben, selbst bei minutiös ausgebildeten Mineralien, vorkommen, desto auffallender mussten sie an einem rohen Felsgestein erscheinen, wenn dasselbe auch vorerst nur in kleinen Bruchstücken gefunden wurde. Das Räthselbafte des Gesteines schien sich aber noch zu vermehren, als nach und nach eine ganze Reihe von silurischen Petrefacten gefunden wurden, von denen mir freilich viele durch Feuer zerstört sind, von denen aber sowohl die Kieler Universitätssammlung, als auch das Curiositäten-Cabinet des Emeritus Hansen in Keitum auf der Insel Sylt noch zahlreiche Stücke enthalten. Trilobiten verschiedener Geschlechter und Beyrichien, Euomphalus-, Orthis- und Leptaena-Arten, Bryozoen und Crinoiden, die bekanntesten silurischen Korallen,namentlich Propora, Favosites Gothldandica und fibrosa, sind die gewöhnlichsten Vorkommnisse, die Trilobiten und Brachiopoden meistens verhältnissmässig klein von Gestalt, die Schalen umgewandelt entweder in eine dunkelviolblaue Chalcedonmasse, oder in blendendweissen Cacholong. Auf dem benachbarten Festlande, wo das jüngere Diluvium als Deckgebirge der höheren Landschaften durchaus denselben Charakter und dieselbe Zusammensetzung zeigt, wie auf der Insel Sylt, habe ich während der ganzen 26 Jahre auf Quadratmeilen kein einziges Stück von ähnlicher Beschaffenheit gefunden, obgleich das Gestein doch so leicht kenntlich ist.