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Mineralogische Mittheilungen

Bauer, Max

Kurzfassung

IV. Ueber die selteneren Krystallformen des Granats. Die am Granat am häufigsten auftretenden Krystallformen sind das Granatoëder, das gewöhnliche Ikositetraëder a/2 : a : a und das Pyramidengranatoëder a/3 : a/2 : a. Erstere zwei Formen finden sich häufig für sich allein und mit einander und mit anderen Körpern in Combination, die Flächen der letzteren schärfen meist die Granatoëderkanten zu oder stumpfen die Combinationskanten zwischen Ikositetraëder und Granatoëder ab. Für sich allein auftretend wie das erwähnte Ikositetraëder und das Granatoëder ist das Pyramidengranatoëder am Granat noch nicht beobachtet worden. Ausser diesen erwähnten häufigen, zum Theil fast nie fehlenden Formen finden sich aber am Granat noch eine ganze Reihe anderer, seltenerer, zu denen auffallenderweise gerade die mit besonders einfachen Parameterverhältnissen mitgehören, der Würfel und das Oktaëder, die sonst bei den Krystallen des regulären Systems zu den häufigsten Formen zu gehören pflegen. Ausserdem gehören dahin noch die ganze Reihe der Pyramydenwürfel und Pyramiden-Oktaëder, sowie einige von dem erwähnten verschiedene Ikositetraëder und endlich einige Achtundvierzigflächner, die alle zu den sogenannten Pyramidengranatoëdern gehören. Ich bin auf diese selteneren Flächen durch einige Stufen des blassfleischrothen Granats von Elba aufmerksam geworden, die mir Herr v. Knobelsdorff zur Untersuchung und Bestimmung vorlegte. Ich habe dann das reiche Material des hiesigen mineralogischen Universitätsmuseums durchgesehen, sowie die Krystalle der Sammlung der Bergakademie und habe die Ergebnisse der Durchsicht mit den Angaben der Literatur verglichen. Da ich einiges Neue dabei gefunden habe, so erlaube ich mir, die gewonnenen Resultate dem mineralogischen Publicum hiermit vorzulegen.