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Ueber Mendola-Dolomit und Schlern-Dolomit

Von Richthofen, Ferdinand

Kurzfassung

1. Trennung der beiden Dolomite. In der Trias von Süd-Tyrol kommen zwei sehr ausgezeichnete Dolomit-Horizonte vor. Unter den 12 Schichtengruppen, in welche ich diese Formation theilte, nehmen die Dolomite die Stufen 5 und 11 ein. Unter 5, und enge damit verbunden, lagert der Virgloria-Kalk (No. 4) mit Retzia trigonella, Waldheimia angusta, Spiriferina Mentzelii etc., welcher nach meiner damaligen Darstellung, obgleich wahrscheinlich mitten in den deutschen Muschelkalk hineinfallend, doch die obere Abtheilung der alpinen Trias eröffnet, indem keine Versteinerung aus den Schichten 3, 2, 1, welche zusammen die untere Trias bilden, in den Schichten 4 bis 12, und keine Art aus diesen in den tieferen zu finden ist, während hingegen einige Arten durch 1, 2, 3, und einige andere, insbesondere auch eine Anzahl einander analoger Formen, durch verschiedene in der langen Reihe 4 bis 12 enthaltene Horizonte hindurchgehen. Beide Dolomite gehören daher der oberen Trias an. Sie sind durch einen Schichtencomplex (6 bis 10) geschieden, in welchen die Faunen der Buchensteiner Kalke (nach Stur äquivalent dem Reiflinger Kalk mit der Cephalopoden-Fauna in den Nordalpen), der Wenger Schichten und des Anfangs der Sanct Cassianer Schichten die Haupt - Horizonte bilden. In Folge einer, nach Ablagerung des Dolomits 5 stattgefundenen, sehr bedeutenden Schichtenstörung, welche in einer Bildung des tiefen Eruptionskessels der Augitporphyre mit dem Fassathal als Mittelpunkt culminirte, ist die Mächtigkeit dieser durch das Vorwalten von Tuffgesteinen ausgezeichneten, und der meist gestörten Dolomitbank 5 in der Regel fast söhlig angelagerten Schichtenreihe 6 bis 10 ausserordentlich schwankend, so zwar, dass sie oft in einer Mächtigkeit von mehreren Tausend Fuss die beiden Dolomite trennt, an anderen Stellen aber vollständig fehlt, so dass dann diese einander unmittelbar aufgelagert sind. Das Verhältniss lässt sich übersichtlich so darstellen, dass am Rande des Eruptionskessels von Fassa und darüber hinaus überall der obere Dolomit unvermittelt auf dem unteren lagert, während innerhalb desselben die trennenden Zwischenglieder stets auftreten. Die beiden Dolomite mussten in meiner Abhandlung, zum Zweck der Detailbeschreibung, mit besonderen Namen belegt werden.