Original paper

Ueber die Naphtaquellen von Baku

Trautschold

Kurzfassung

Wenn man von Astrachan kommend, am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres nach Süden fährt, kommen bei Petrowsk die ersten Ausläufer des Kaukasus in Sicht und schon in der Nähe von Derbent tritt der breite, langgestreckte und schneebedeckte Rücken des Schahdagh mächtig hervor, der an sein ewiges Feuer von Kinalugi erinnert und dadurch uns auf den reichen Kohlenwasserstoffgehalt der Halbinsel Apscheron vorbereitet, der als Endzweck unserer Reise unsere Gedanken vorzugsweise in Anspruch nehmen soll. Die Halbinsel Apscheron stellt sich vom Meere gesehen als ein nicht hoher Landrücken dar, auf dessen Abhang nur selten etwas wie grünes Buschwerk zu sehen ist. Meist hat Alles eine gelbliche Erdfarbe. Im Osten liegt die heilige Insel (Serjätoi), und die Meerenge, welche durch sie gebildet wird, dient den durchsegelnden Schiffen häufig als schützender Ankerplatz. Auf der wasserlosen Insel sind deutlich die Gebäude einer Paraffinfabrik wahrzunehmen, die jetzt leer und unbenutzt stehen, da das Product, das man aus dem Naphtdegil der Insel Tschelekan fabricirte, nicht Absatz genug fand. Auf der Insel Serjätoi findet sich nur Kir, das Verdampfungsproduct der Naphta und wenig dickflüssige Naphta und es hat dort, wie es scheint, nie eine bedeutendere Ausbeutung von Naphta stattgefunden. Ich traf am 7. Juli 1873 in Baku ein und fand die Strassen ganz nass vom kurz vorher gefallenen Regen, ein Ereigniss, über das ich weniger verwundert war, als die Einwohner von Baku, denn es fällt dort mitunter sechs Monate hintereinander kein Tropfen Regen.