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Chemisch-geologische Betrachtung der Gypsvorkommnisse in der Zechsteinformation

Heidenhain, Joh.

Kurzfassung

Von den Kalkverbindungen, welche an dem Gebirgsbaue unserer Erde einen wesentlichen Antheil nehmen, ist nächst dem kohlensauren der schwefelsaure Kalk die wichtigste. Das Vorkommen dieses Salzes ist ein sehr verbreitetes; seine Lagerstätten haben wegen der innigen Verknüpfung mit Steinsalzlagern eine grosse national-ökonomische Bedeutung und treten in verschiedenen Formen auf. Unter diesen ist es namentlich die Zechsteinformation, welche in Bezug auf Masse und Mannigfaltigkeit der Ausbildung von Gypsen sich auszeichnet, indem hier, im Gegensatz zu anderen Formationen, wo der Gyps als stock- und lagerförmige Einschaltungen oder nesterartig auftritt, derselbe wirkliche Etagen, d. h. durchgehende Formationsglieder bildet, welche sogar bezüglich ihrer Mächtigkeit alle übrigen Gesteinsbildungen dieser Schichtengruppe übertreffen. Der Gyps ist eines der wenigen Mineralien, welches zugleich als gebirgsbildendes Gestein auftritt. Sein Vorkommen ist ein zweifaches in chemisch-mineralogischer Hinsicht, einmal wasserfrei - als Anhydrit, dann wasserhaltig - als eigentlicher Gyps. Der Anhydrit krystallisirt rhombisch, die Hauptform ist o P. infinity sign P infinity sign infinity sign. P infinity sign spaltbar nach der Makro- und der Brachydiagonale, doch kommen nur selten ausgebildete Krystalle vor. Die Farbe des reinen Minerals ist weiss, gefärbt erscheint er röthlich, blau und grau. Der Gyps krystallisirt monoklinisch, die häufigste Form ist die Hemipyramide mit dem Prisma und dem Klinopinakoide (P. infinity sign P infinity sign. infinity sign P.). Die letztere Fläche beherrscht stets die Krystallbildung; sie bildet den Hauptblätterdurchgang, nach welchem die reineren Gypsarten, wie z. B. das sogenannte Marienglas vorzüglich spaltbar sind. Häufig ist bei diesem Mineral die Zwillingsbildung und zwar nach dem Gesetze der Juxtaposition auf dem orthodiagonalen Hauptschnitte, wodurch der Krystall eine schwalbenschwanzartige Form erhält, welche die Krystalle vom Montmartre so vorzüglich zeigen.