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Mittheilung über künstliche Antimon-Krystalle

Laspeyres, Hugo

Kurzfassung

Vor einigen Tagen erhielt ich von Herrn E. Landsberg, Generaldirector der Actiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrication in Stolberg und in Westfalen, die Hälfte eines grossen Erzkuchens, welcher auf der Bleihütte Münsterbusch bei Stolberg, unweit Aachen - der genannten Gesellschaft gehörend - sich zufällig in einer Schlackenmasse bei der Production von Hartblei gebildet hatte. Es lag nämlich in der Absicht, aus allen antimonhaltigen Abfällen (Krätze genannt) der Bleihütte mit Hilfe von Bleischlacken in einem Bleihochofen sehr antimonreiches Hartblei zu gewinnen. Dabei floss aus Versehen, weil das Metall im Gestelle zu hoch gestiegen war, aus dem Schlackenloche Metall über in den vorgesetzten mit flüssiger Schlacke gefüllten Schlackentopf und gelangte in diesem sich langsam abkühlenden, schlechten Wärmeleiter nur sehr langsam in den festen Zustand. Dabei hat sich nun mitten im etwa balbkugelförmigen Erzkuchen durch irgend welche Veranlassung - vermuthlich durch Ausfliessen des noch flüssigen Erzkernes aus der schon erstarrten Erzhülle - ein unregelmässiger zackiger und weitverzweigter Hohlraum gebildet, welcher zu gross ist, um ihn durch Volumverminderung des von aussen erstarrenden Erzes bei der Abkühlung entstanden annehmen zu können und welcher unter diesen für eine Krystallbildung äusserst günstigen Umständen natürlicher Weise mit den schönsten Krystallen eines Metalles oder einer Metallverbindung bez. Legirung bewandet ist. Die vielfach kleinen, aber auch häufig bis 8 Mm. grossen, metallglänzenden Krystalle ragen bald einzeln aus der blätterig-körnigen, sehr porösen Erzrinde heraus oder bilden auf derselben ein lockeres Haufwerk. Alle kleinen Poren zeigen dieselbe Bewandung als die grosse Druse.