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Amethyst-Zwillinge mit der trigonalen Pyramide P2/4 von Oberstein an der Nahe

Laspeyres, Hugo

Kurzfassung

Schon im Jahre 1870 fand ich in der Sack'schen Mineralien-Sammlung beim Aufstellen derselben im hiesigen Polytechnikum ein beinahe 100 Quadrat-Centimeter grosses Stück einer ohne Zweifel sehr beträchtlich gewesenen Geode aus dem Mandelsteine von Oberstein mit etwa 50 Krystallen von zum Theil schmutzig-roth gefärbtem Amethyst. Alle Krystalle, von denen einige bis 25 Mm. Durchmesser erreichen, zeigen scheinbar die Combination R und - R theils in Gleichgewicht, theils in allen möglichen gegenseitigen Verschiebungen der Flächen. Nur wenige, besonders grosse Krystalle zeigen, ehe die Krystallform im Aggregate verschwindet, zum Theil noch infinity sign R als schmale, mehr als alle anderen Flächen ebene und glänzende Abstumpfung der Randkanten R:-R; alle dagegen als ausserordentlich feine gerade Abstumpfungen der Endkanten R:-R die Flächen P2 = epsilon nach Des Cloizeaux oder = f nach Hauy. Die Angabe in Quenstedt's Mineralogie, dass Hauy diese kleine und seltene Form an den Obersteiner Amethysten erwähne, liess mich diese Beobachtung nicht weiter in der Literatur verfolgen und hielt mich von einer Mittheilung derselben ab. Aus der letzten Arbeit von Websky ,über einige bemerkenswerthe Vorkommen des Quarzes" erfuhr ich deshalb zuerst, dass das von Hauy beschriebene Stück Amethyst in dessen nach Paris zurück gebrachter Sammlung von Des Cloizeaux nicht wiedergefunden werden konnte. In der genannten Arbeit beschrieb Websky zugleich eingehend und mit seiner bekannten Meisterschaft drei interessante kleine Amethyst-Zwillinge mit der Fläche epsilon neben oberen und unteren Trapezoëdern von Oberstein, welche sich in der Breslauer Universitätssammlung befinden und knüpft daran sehr beachtenswerthe theoretische Betrachtungen. Diese Krystalle sind theils Zwillinge von zwei rechten oder zwei linken Quarzindividuen mit gemeinsamer Hauptaxe und gegenseitiger Verdrehung um dieselbe um 180°, theils Zwillinge am Rechts- und Linksquarz in paralleler Durchdringung, also in beiden Fällen sogenannte Durchdringungs-Zwillinge. Ein Vergleich meiner vorhin genannten Amethyste mit diesen Mittheilungen von Websky erwies für manche Beziehungen wohl eine grosse Aehnlichkeit beider Stücke, in vielen anderen aber eine so bedeutende Abweichung, dass die Beschreibung und Abbildung meiner Krystalle umsomehr am Platze sein dürften, als ich eine Uebereinstimmung derselben mit denen der verloren gegangenen Stufe von Haut vermuthe.