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Das Tirol - Venetianische Grenzgebiet der Gegend von Ampezzo

Loretz, Hermann

Kurzfassung

Südlich vom Pusterthal verläuft in ungefähr westöstlicher Richtung die wichtige geognostische Grenzlinie zwischen der grossen alpinen Centralzone Tyrols und dem ihr aufgelagerten, einer spätem Bildungsepoche angehörigen Alpengegebirge: nach Nord die krystallinischen Schiefer, Gneisse, Glimmerschiefer, Phyllite der Centralzone; nach Süd in's Hangende hinein die Schichten der alpinen Trias, und darüber noch stellenweise jüngere Gebilde, ein im Gegensatz zu dem Gebirge im Nord mannichfaltigeres, wechselvolleres Gebirgsbild bietend; namentlich sind es die in hohen, schroffen Wänden und oft wunderbaren Formen und Umrissen auftretenden, ganze Quadratmeilen bedeckenden Dolomitmassen, welche längst schon in geognostischer, wie in landschaftlicher Hinsicht die Aufmerksamkeit der Reisenden auf sich gezogen haben. Wir beschäftigen uns in den folgenden Betrachtungen mit demjenigen Theile dieser südalpinen Nebenzone, der etwa zwischen dem Pusterthal, Sextenthal, Piavethal, dem obern Zoldothal, Buchenstein und Enneberg gelegen ist; und etwa zur Hälfte auf Tyroler, zur Hälfte auf Venetianisches Gebiet fällt. - Diese Betrachtungen bilden die Ausführung der Skizzen, welche ich vorläufig schon im N. Jahrb. f. Mineralogie etc. 1873 S. 271-291, 337-337, 612-626, 854-860 (Geogn. Beobacht. in d. alp. Trias der Gegend v. Niederdorf, Sexten u. Cortina in Süd-Tirol, nebst Berichtigungen und Ergänzungen) gegeben habe. Eine Beschreibung der orographisch-hydrographischen Verhältnisse dieser Gegend wird hier, mit Rücksicht auf den Raum, übergangen.