Original paper

Ueber das Vorkommen des Moschus-Ochsen (Ovibos moschatus) im Diluvium Schlesiens

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

In der ansehnlichen Sammlung fossiler Wirbelthierreste, welche sich in dem anatomischen Institute der Breslauer Universität als ein Ergebniss des rastlosen Sammeleifers des ehemaligen Directors Professor Otto befindet, fiel mir unlängst ein als ,Pars cranii hovis fossilis" bezeichneter unvollständiger Schädel auf, an welchem sich bei näherer Prüfung alsbald die nicht zu verkennenden osteologischen Merkmale des Moschus - Ochsen (Ovibos moschatus) mit Sicherheit ergaben. Nur der hintere Theil des Schädels ist erhalten. Der ganze Gesichtstheil mit den Augenhöhlen, den Nasenbeinen und dem Oberkiefer fehlt. Der so erhaltene Schädeltheil ist von cuboidischer Gestalt. Die senkrechte Hinterwand des Schädels ist fast genau rechtwinklig gegen die horizontale obere Schädelfläche geneigt. Die letztere wird durch die rauh höckerigen, aber in dieselbe horizontale Ebene fallenden erweiterten Basalflächen der Hörner gebildet. Die enge und tiefe, durch senkrechte Wände begrenzte, kaum fingerbreite, mittlere Längsfurche, welche diese beiden Basalflächen der Hörner trennt und welche vorzugsweise den Schädel des Moschus-Ochsen kenntlich macht, ist deutlich ausgebildet. Auch der Knochenzapfen des linken Horns mit der bezeichnenden abwärts gebogenen Krümmung ist wenigstens zum Theil erhalten. Der Knochenzapfen des rechten Horns dagegen ist abgebrochen. Vor dem vorderen Rande der Basalflächen der Hörner, wo sich die Längsfurche zwischen den Hornbasen rasch zu einer ebenen Fläche erweitert, ist der Schädel abgebrochen. Sehr gut ist die hintere senkrechte Rückwand des Schädels von ungefähr quadratischem Umriss erhalten. An dem unteren Rande desselben das rundliche Hinterhauptsloch. Offenbar gewaltsam und wahrscheinlich bei der Auffindung des Schädels durch unkundige Arbeiter ist diese Hinterwand und ein Theil der Unterseite des Schädelstücks durch eine in schiefer Richtung verlaufende Bruchfläche von dem übrigen Schädel getrennt, aber so, dass beide Theile genau aneinander passen. Durch diesen Bruch wird die verhältnissmässig kleine Gehirnhöhle und die ausserordentlich starke, durch die poröse Knochenmasse der Hornbasen verdickte obere Decke der Gehirnhöhle sichtbar. Die vordere abgebrochene Fläche des Schädels zeigt die durch eine schmale senkrechte Lamelle getrennten halbkreisförmigen, in die innere Augenhöhle führenden Choanen und darüber den senkrechten Durchschnitt der mit weiten Höhlungen erfüllten oberen Schädeldecke. Die folgenden Skizzen zeigen den Schädel von verschiedenen Seiten in 1/3 der natürlichen Grösse.