Original paper

Ueber die Krystallisation des Bleiglanzes

Sadebeck, Alexander

Kurzfassung

Einleitung. Obgleich der Bleiglanz zu den verbreitetsten Erzen gehört und durch grosse Mannigfaltigkeit in der Erscheinungsweise und Entwickelung der Krystalle ausgezeichnet ist, fehlt es an einer zusammenhängenden Darstellung seiner Krystallisation. Um einen Einblick in die Krystallisation eines Minerals zu erhalten, genügt es nicht, die vorkommenden einfachen Formen und Zwillingsgesetze aufzuzählen, wie so häufig geschieht, es müssen die Beziehungen der auftretenden Formen festgestellt und geordnet werden. Daraus ergeben sich dann die für das Mineral charakteristischen Zonenverbände, sowie die verschiedenen Entwickelungs-Typen. Während beim Bleiglanz die vorhandenen einfachen Formen von verschiedenen Forschern bestimmt sind, so sind die Zonenverbände und Typen, sowie die mit letzteren in inniger Beziehung stehenden Ausbildungsarten der Zwillinge weniger gewürdigt worden. Es finden sich in der Literatur nur kurze Angaben, dass Zwillinge nach dem, im regulären System häufigsten Gesetz, Zwillingsaxe eine rhomboëdrische Axe, vorkommen, während gerade beim Bleiglanz dieses Gesetz eine sehr mannigfaltige Erscheinungsweise besitzt, darunter auch eine so eigenthümliche, wie sie mir bei keinem anderen Mineral bekannt ist. Ausser diesem gewöhnlichen Gesetz kommt aber auch noch ein anderes vor, welches dadurch ein noch ganz besonderes Interesse in Anspruch nimmt, dass es ein für das reguläre System überhaupt neues Gesetz ist. Kurze Angaben in der älteren Literatur, welche dieses Gesetz erkennen lassen, sind später ganz unbeachtet geblieben.