Original paper

Ueber die ältesten versteinerungsführenden Schichten in dem rheinisch-westfälischen Schiefergebirge

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

Bisher hat in der wichtigen Reihenfolge von palaeozoischen Schichten, welche das ausgedehnte Gebirgsland zu beiden Seiten des Rheins zusammensetzen, als das älteste Glied allgemein die jedenfalls mehr als tausend Fuss starke Aufeinanderfolge von Thonschiefern, Grauwackenschiefern und Grauwackensandsteinen gegolten, welche, da sie in den Umgebungen von Coblenz besonders deutlich aufgeschlossen erscheint, als Coblenzer Grauwacke bezeichnet wurde. Im Taunus und Hundsrücken lehnt sich dieses Schichtensystem an halb krystallinische Schiefer und Quarzite an, welche zwar jedenfalls von höherem Alter sind, aber bei der völligen Abwesenheit von organischen Einschlüssen sich der sicheren Einordnung in die chronologische Reihenfolge der älteren sedimentären Schichten entziehen. Die Coblenzer Grauwacke selbst wird in der ganzen Ausdehnung des Gebirges durch dieselbe fossile Fauna bezeichnet. Ueberall finden sich Spirifer macropterus Goldf. (Sp. paradoxus Schloth.), Chonetes sarcinulata, Chonetes dilatata, Homalonotus crassicauda, Cryphaeus laciniatus und das ohne Grund für besonders merkwürdig und schwer deutbar gehaltene Pleurodictyum problematicum. Im Ganzen hat die Fauna ein entschieden devonisches Gepräge und schliesst sich durch die Mehrheit ihrer Arten derjenigen des überlagernden Eifeler Kalks, des eigentlichen Centrums der devonischen Schichtenreihe, enge an. Nur einzelne Formen, wie namentlich die Homalonotus - Arten und Tentaculites scalaris sind aus mitteldevonischen Schichten nicht bekannt und weisen auf die obere Abtheilung der silurischen Schichtenreihe bin. An einem einzelnen Punkte des rheinischen Gebirges sind nun aber versteinerungsführende Schichten von entschieden höherem Alter, als demjenigen der Coblenzer Grauwacke vorhanden. Dieser Punkt ist Greiffenstein bei Herborn in Nassau, wo eine aus mächtigen Bänken von weissem Quarzit bestehende Schichtenfolge, welche palaeontologisch durch das gesellige Vorkommen einer grösseren Art der Gattung Pentamerus (P. Rhenanus) bezeichnet wird, ansteht.