Original paper

Anstehender Jura in Vorpommern

Berendt, G.

Kurzfassung

Im Jahre 1865 fand mein um Schleswig-Holstein und das angrenzende Flachland so verdienter Freund Meyn in der Gegend von Hamburg unter den Diluvialgeschieben aus den Sand- und Grandgruben bei der kleinen Stadt Ahrensburg Mergelkugeln, deren Inneres mehr oder weniger erfüllt war mit Ammoniten aus der Gruppe der Falciferen. ,Die concretionäre Gestalt dieser Steine, sagt er, hielt ich, zumal bei dem ganz localen Vorkommen nicht blos für das Anzeichen einer zerstörten, weichen Jurabank, sondern auch für das Zeichen einer an Ort und Stelle zerstörten Bank dieser Art." Obgleich Meyn inzwischen seiner neuerlichen Mittheilung nach das Vorkommen dieses Gesteins bereits in einem circa 4 Quadratmeilen betragenden District längs der holstein-lauenburgischen Grenze und zwar von den Orten Grabau, Ahrensburg, Horisbüttel und dem lauenburgischen Gute Steinhorst kennt, so ist es dennoch bisher nicht gelungen, den Ursprurigsort dieser altjurassischen Geschiebe in dortiger Gegend zu entdecken. Die damals ausgesprochene Vermuthung der unmittelbaren Nähe eines vielleicht unter dünner Decke des Diluviums anstehenden Jurapunktes gewinnt aber nicht wenig an Wahrscheinlichkeit durch einen Fund, den ich das Glück hatte, vor wenigen Wochen in der Stralsund-Greifswalder Gegend zu machen. Bei Gelegenheit der Bereisung der bekannten Berliner Nordbahn zur Verwerthung der von ihr gemachten Erdeinschnitte fand ich nördlich der kleinen Stadt Grimmen in einem circa 4 M. tiefen Einschnitte bei dem Gute Schönwalde genau dieselben flachgedrückten Kalksteinkugeln mit genau denselben Einschlüssen wie die Ahrensburger. Aber diese schon dort als solche erkannten Concretionen lagern hier nicht wie in der Hamburger Gegend zwischen Diluvialgeröllen im Diluvialsand und Grand, sondern fanden sich hier auf ursprünglicher Lagerstätte, eingebettet in einem im Uebrigen völlig steinfreien, äusserst hellen blauen Thon, welcher auf eine Erstreckung von fast 300 M. von dem genannten Einschnitte aufgeschlossen wird und nur von einer 2 bis 3 M. dicken Diluvialdecke bisher dem Auge entzogen war.