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Steht der Aetna vor dem Ausbruch?

Silvestri

Kurzfassung

Seit dem Monat Mai befindet sich der Aetna in einem ungewohnten Zustande der Erregung nach fünfjähriger Ruhe, welche der kurzen Eruption vom September 1869 (Ergiessung eines Lavastroms aus dem Centralkrater in die Val Bove) folgte. Schon waren Gerüchte verbreitet von einer Zerspaltung des Berges, von neuen Krateren, von Flammen und Feuer, welches man in der Nacht wollte gesehen und von unterirdischen Donnerschlägen, welche man an vielen Orten der Berggehänge wollte gehört haben, sogar fabelte man bereits von einer Eruption in der Richtung auf Bronte. - Um die Ursache der ausserordentlichen Dampfentwickelung aus dem Centralkrater, bald kontinuirlich, bald intermittirend, zu erkunden und überhaupt den Zustand des Berges in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden Eruption zu erforschen, brach ich am 2. Juli zu einer Besteigung des Vulkans auf. Am Abende befand ich mich an der Basis des Centralkegels auf der Hochebene Piano del Lago. Schon bevor ich in jene Höhen gelangte, vernahm ich unterirdisches Donnern und bemerkte sogleich nach dem Untergang der Sonne, dass die Donnerschläge, aus dem Centralkrater tönend, von lebhaften Lichterscheinungen, welche in den Dampfsäulen sich spiegelten, begleitet waren. Am steilen Abhange des centralen Kegels angelangt, verweilte ich eine Zeitlang unter dem Eindruck der gewaltigen Erscheinungen und bemerkte, dass die unterirdischen Donnerschläge in Intervallen von 2 bis 3 Minuten sich folgten und dass ihnen unmittelbar Lichtblitze aus dem grossen Krater vorangingen. Um 2 Uhr nach Mitternacht befand ich mich auf dem südlichen Kraterrande, welcher häufig erbebte, und sah nun die Ausbruchserscheinungen im Innern desselben deutlich vor mir.