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Über einige Probleme, welche sich bei der geologischen Betrachtung der Grossen Ebenen im nordöstlichen China bieten

v. Richthofen, Ferdinand

Kurzfassung

Das eigentliche China besteht zu mehr als neun Zehntel seiner Bodenfläche aus Gebirgsland, das in der südlichen Hälfte nur durch wenige breitere Alluvialthäler, in der nördlichen durch einige grössere beckenartig eingesenkte Ebenen unterbrochen ist. Das Gesammtareal dieser horizontalen Bodenflächen ist verschwindend klein gegen dasjenige der Grossen Ebene, welche in zwei Theile zerfällt. Der eine, mit 7000 Quadratmeilen Flächeninhalt, umfasst das untere Stromgebiet des Hwang-ho und die Mündungen des Yangtsze-kiang, der andere, durch einen schmalen Hals mit dem ersten verbunden, wird von dem letzteren Strome und seinem grössten Nebenfluss, dem Han, bewässert und umfasst ungefähr 1000 Quadratmeilen. - Das erste Problem liegt in der Thatsache, dass die Grosse Ebene sich nur in der nördlichen Hälfte von China dem Gebirgsland vorlagert, in der südlichen aber das letztere unmittelbar in das Meer abfällt. Redner erklärt dies durch den näher erörterten Nachweis, dass in der südlichen Hälfte der Küste Senkung, in der nördlichen Hebung stattfindet, so zwar, dass in der grossen, in den Tshusan-Inseln auslaufenden Axenkette des südlichen China Stillstand ist, und von dort aus die Intensität der Hebung mit der Entfernung gegen Norden, diejenige der Senkung mit der Entfernung gegen Süden stetig zunimmt. Dadurch sind die ungeheuren Anschwemmungen der Riesenströme des Nordens in Ebene verwandelt worden, während die allerdings geringeren der südlichen Flüsse unter Wasser bleiben und den praktischen Werth der zahlreichen tiefen Buchten für die Schifffahrt vermindern. An der neutralen Stelle endlich umsäumenbreite Schlammbänke im Niveau der Fluth das Land. Sollte sich die Bewegung umkehren, so würde schon bei geringem Betrage derselben die nördliche Ebene unter dem Meer verschwinden, im Süden aber ein Küstenstrich von Alluvialland geschaffen werden. - Ein zweites Problem betrifft die Aenderungen, welche der Hwang-ho und Yangtsze-kiang in ihrem Unterlauf erfahren haben.