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Geologie der Morgenberghornkette und der angrenzenden Flysch- und Gypsregion am Thunersee

Tribolet, Maurice

Kurzfassung

Die geologische Commission der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft übertrug mir letzten Frühling die Bearbeitung der südlich vom Thuner- und Brienzersee, der Aare, des Gadmenthales, Sustenpass und Meienthales gelegenen Partieen des Blattes XIII des Dufour-Atlas (1:100). Die Gegend davon, welche ich letzten Sommer auf Grundlage der Karte 395 (Lauterbrunnen) des neuen topographischen Atlas (1:50) untersucht habe, liegt auf der westlichen Seite, am Thunersee. Es ist das grosse Massiv (eher die Kette) des Morgenberghorn, sowie auch die Flysch- und Gypsregion, welche sich zwischen ihr, dem Thunersee und dem Suldthale, erstreckt. Diese Gegend nämlich ist geologisch um so interessanter, als sie uns Erscheinungen bietet, wie sie seiner Zeit von A. Escher Von Der Linth (auf den Beobachtungen seines Vaters weiter bauend) und neuerdings von Baltzer und Heim so ausgezeichnet in den Glarneralpen nachgewiesen und beschrieben wurden. Es sind dies grossartige, meilenweit ausgedehnte Ueberstürzungen, infolge deren die ganze stratigraphische Aufeinanderfolge der verschiedenen Terrains die umgekehrte ist. Natürlich können nur ungeheure Umwälzungsphänomene damit in Verbindung gestanden haben. Wie auch Studer richtig bemerkt, lassen die hohen Terrassen, in denen die Gebirge oberhalb Lauterbrunnen und Grindelwald (Jungfrau und Wetterhorn) schroff gegen den Thuner- und Brienzersee abfallen, auf ganz gewaltige Verwerfungen schliessen. Was aber die eigentlichen Ursachen davon gewesen sind, bleibt noch vorbehalten. Nach der Besprechung der stratigraphischen und palaeontologischen Verhältnisse dieser Gegend werde ich dann versuchen, Einiges zur Erklärung dieser merkwürdigen Verhältnisse beizufügen.