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Geognostisch-chemische Mittheilungen über die neuesten Eruptionen auf Vulcano und die Producte derselben

Baltzer, Armin

Kurzfassung

Das vulkanische System der Liparen verdankt seine Entstehung nach Hoffmann einer dreistrahligen vulcanischen Spalte, deren einzelne ziemlich geradlinige Zweige ungefähr in der Panariagruppe zusammenlaufen. Auf diesen Spalten haben sich nun drei Reihen von Stratovulcanen gebildet. Die kürzeste dieser Spalten (ungefähr Nordost streichend) hat nur einen Eruptionspunkt: Stromboli. Dieser permanent und intermittirend arbeitende Vulcan gestattet der vulcanischen Thätigkeit sich allmälig zu entladen, so dass sie nicht nothwendig hat, sich neue Eruptionswege in der Verlängerung dieser Spalte zu schaffen. Auf der zweiten ungefähr Ost-West laufenden Spalte liegen Saline und die schönen Kegel von Felicuri und Alicuri. Die dritte Spalte hat Südrichtung. Auf ihr liegen die zu Lipari gehörigen: Mte. Campo bianco, Mte. Angelo, Mte. Guardia, ferner Mte. Vulcanello und der Hauptkrater auf Vulcano. Noch in der Verlängerung dieser Spalte findet sich am Cap. Calava der sicilianischen Küste eine Fumarole. Die im Centrum des Systems liegenden Inseln der Panariagruppe zeigen weder Lavaströme noch Kegelstructur. Ihre Gesteine werden als Granit-, Gneiss- und Porphyr-ähnlich bezeichnet. Diese in ihrer äusseren Erscheinung so abweichenden, meist schroff nach Nordwest abstürzenden Inselfelsen scheinen einem unentwickelt gebliebenen Centralkegel anzugehören und sind älter als alle übrigen. Das ganze vulcanische System der Liparen ist nach dieser Anschauung ein Mittelglied zwischen Central- und Reihenvulcanen, dessen Eigentümlichkeit darin besteht, das es keinen Stratovulcan als Centrum besitzt und dass sich die vulcanische Thätigkeit ganz auf die Seitenspalten verlegt hat.