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Ueber den bunten Sandstein in den Vogesen, seine Zusammensetzung und Lagerung

Lepsius, Richard

Kurzfassung

Die Sandsteine der Vogesen sind deutscherseits stets als ein Aequivalent des bunten Sandsteins angesehen worden. Diese Ansicht wurde zuerst von P. Merian, Hausmann und Keferstein vertreten und durch ihre Autorität in Deutschland für immer gesichert. Die Conglomeratschichten an der Basis der Sandsteine deutete man wegen ihres Reichthums an Porphyrgeröllen und ihrer Verbindung mit Porphyren als Rothliegendes; da aber der Zechstein als Zwischenglied fehlte, wiesen schon die Herren Von Dechen, C. Von Oeynhausen und H. Von La Roche in den ,geognostischen Umrissen der Rheinländer" 1825 auf die Schwierigkeit einer scharfen Trennung des Rothliegenden und bunten Sandsteins in den Vogesen hin. Wegen dieser schwierigen Trennung nämlich hatten die französischen Autoren das Rothliegende und die unteren Sandsteine, welche sie als ,Vogesen-Sandstein" (grès des Vosges, grès vosgien) von den oberen, ihrem ,grès bigarré", abschieden, zu einer Gruppe zusammengefasst: den Vogesen-Sandstein sahen sie als eine dem Zechstein Deutschlands analoge Ablagerung an; den grès bigarré dagegen betrachteten sie als einzigen Repräsentanten des bunten Sandsteins. Diese Auffassung der Sandsteine in den Vogesen war zuerst von Elie De Beaumont angegeben worden und hat trotz mancher Einsprüche ihren Platz in der französischen Literatur behauptet. Die mindestens ebenso schwierige Trennung von Vogesen-Sandstein und dem grès bigurré glaubte jener französische Geologe aus stratigraphischen Gründen rechtfertigen zu können; eine Untersuchung der Lagerung dieser Sandsteine nämlich veranlasste ihn zu der Annahme, dass nach der Ablagerung des Vogesen-Sandsteins die Hebung der Schwarzwald-Vogesen und die Entstehung der Rheinspalte eingetroffen sei, eine Umwälzung, welche er in seiner Arbeit über die Erdrevolutionen als diejenige des ,Systeme du Rhin" bezeichnete.