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Die granitischen Gänge des sächsischen Granulitgebirges

Credner, Hermann

Kurzfassung

Eine Studie auf dem Gebiete genetischer Geologie Dasjenige Areal, mit dessen Durchforschung und kartographischer Aufnahme sich die geologische Landesuntersuchung von Sachsen seit etwa einem Jahre beschäftigt, ist das Granulitgebirge und seine Umgebung. Zahlreiche Touren durch dieses hochinteressante Gebiet boten auch mir Gelegenheit, neben der Verfolgung meines auf allgemeine Orientirung gerichteten Hauptzweckes eine Reihe von Beobachtungen anzustellen. Namentlich waren es die granitischen Gange, welche das Granulitgebirge in ausserordentlicher Anzahl durchschwärmen, die eine bedeutende Anziehungskraft auf mich ausübten. Die eingehende Schilderung dieser Ganggebilde ist das Thema der folgenden Abhandlung. Abgesehen von den Zügen des sogenannten Mittweida'er Granites, setzen in den petrographisch zum Theil sehr verschiedenartigen Gliedern der sächsischen Granulitformation auf: 1. Gänge von Quarz, Kaliglimmer und Turmalin im Cordieritgneiss. Die Thalgehänge der Mulde zwischen dem Göhrener Viaduct und dem Städtchen Lunzenau werden von Cordieritgneiss gebildet, welcher von seiner Oberfläche aus bis zu beträchtlicher Tiefe verwittert und in seiner unveränderten Gestalt erst neuerdings durch die Eisenbahneinschnitte der Muldethalbahn blossgelegt worden ist. Der Cordierit ist in dem dort aufgeschlossenen Gesteine so reichlich enthalten, dass die durch Sprengungen neu geschaffenen Felswände und gewaltigenTrümmerhalden schon von ferne durch ihre blaugraue Farbe auffallen. Sie sind es, welche vielen Mitgliedern der Deutschen geologischen Gesellschaft von unserer gemeinsamen Excursion im Anfang September 1874 in Erinnerung geblieben sein werden.