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Ein Tertiärgeschiebe von Eimsbüttel (Hamburg)

Gottsche, Karl

Kurzfassung

Erlauben Sie mir, Ihnen kurz über ein Tertiärgeschiebe zu berichten, welches durch das Niveau, dem es angehört, interessant sein dürfte. Dasselbe stammt aus einer Kiesgrube von Eimsbüttel bei Hamburg, befindet sich in Folge dessen im Besitze des Hamburger naturw. Museums und ist ein sandiger Kalkstein, der ganz von den Steinkernen einer Paludina erfüllt ist, in welcher ich, da die Abdrücke scharf genug waren, um Guttaperchaabgüsse davon zu machen, durch Vergleichung mit englischen Originalen, welche Herr Sandbreger mir freundlichst zur Verfügung stellte, mit Bestimmtheit die echte Paludina lenta Brand sp. (Sandb., ,Land- u. Süssw.-Conch." pag 267. t. 15. f. 11.) erkannte. Ueberdies enthält dasselbe noch Melanopsis carinata Sow. (Sandb. pag. 315. t. 20. f. 10. u. t. 14. f. 19.), Planorbis euomphalus Sow. (Sanbd. p. 262. t. 15. f. 22.), Limnaeus sp. aff. longiscatus und Unio Solandri Sow. (Sandb. pag. 262. t. 15. f. 3.). Abgesehen von der Melanopsis, welche ins Mitteloligocän hinaufreicht, und von dem Limnaeus, der keine sichere Bestimmung zuliess, sind die drei übrigen Petrefacten auf die Headon-series beschränkt, Unio Solandri sogar auf die untere Abtheilung derselben, während Planorbis euomphalus und Paludina lenta zwar in allen Niveau's der Headon-series vorkommen, aber in den direct darauf folgenden Osborne-Schichten bereits durch andere Formen ersetzt sind; denn was bisher - selbst in den ,Land- und Süsswasser-Conchylien" - als Pal. lenta von Bembridge, Hempstead und anderen mitteloligocänen Localitäten figurirte, ist nach Sanberger's mündlicher Mittheilung - splendida Ludw. Ich stehe deswegen nicht an, dies Geschiebe mit den brakischen Headon-series zu parallelisiren, welche, trotz der merkwürdigen Uebereinstimmung in der Fauna der middle Headonseries von Brockenhurst und des belgisch-deutschen Unteroligocäns, welche Von Koenen im Quart. Journ. 1864 pag. 97 bis 102 und später in Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1867 pag. 29 nachwies, von Sadnbreger, gestützt auf die Lagerungsverhältnisse, noch zum Obereocän gerechnet werden. Sei dem nun wie ihm wolle, viel wichtiger scheint mir, dass dies Geschiebe eine Schicht repräsentirt, welche wir bisher in Norddeutschland nicht anstehend kennen. Da sich indessen alle übrigen Tertiärgeschiebe unseres Diluviums auf ein Ursprungsgebiet innerhalb der norddeutschen Ebene zurückführen lassen, und da ein Transport aus Westen, wie er für unsere basaltischen Geschiebe wohl angenommen werden muss, bei einem so leicht zerreiblichen Gestein sehr unwahrscheinlich ist, ist vielleicht die Hoffnung nicht unberechtigt, dass wir auch diese Schicht noch irgendwo in Norddeutschland auffinden.