Original paper

Über die letzten Forschungen des betrauerten Dr. Stoliczka in Ost-Turkestan

Richthofen

Kurzfassung

Der Vortragende resümirte kurz die von ihm in einer früheren Sitzung mitgetheilten Resultate von Stoliczka's Reisen vom Indus-Thal über den Karakorum und das Kwen - lun - Gebirge nach dem grossen Becken von Ost-Turkestan. Es hatte sich dabei herausgestellt: 1. dass in dieser ungeheuren Massenanschwellung eine bestimmte Altersfolge herrscht, indem der Kwen-lun, dessen Formationen nicht über die ältesten paläozoischen hinausgehen, das älteste ist. Der Karakorum, in welchem die alpine Trias repräsentirt ist, im Alter folgt, und der Himalaya, dessen Gebirgsbau mit Tertiärschichten am Indus-Thal endet, das jüngste Glied und gewissermassen den älteren Gebirgsmassen später angewachsen ist; 2) dass die Gesteine in dem Becken von Ost-Turkestan von denen des Kwen-lun unabhängig sind. Denn dort beginnt in einem tiefen Niveau die Anlagerung der Steinkohlenformation, und in einem noch tieferen das Auftreten von Kreide-Sandsteinen, welche das wesentliche Material zu den Sandmassen der Wüste Takla Makän gegeben zu haben scheinen. - Nachdem Stoliczka mit der Expedition von Herrn Forsytt in Kasbgar angekommen war, unternahm er zunächst mit einigen Herren derselben einen Ausflug nach dem Tshatyr-Kul-See im Tiën-shan-Gebirge, und später über die Pamin-Pässe hinweg nach Wakhan am Oberlauf des Amu Darya. Der frühzeitige Tod des ausgezeichneten deutschen Gelehrten hat genauere Berichte über den letzteren Ausflug verhindert; aber über denjenigen nach dem Tshatyr-Kul sind höchst werthvolle Aufzeichnungen vorhanden. Nachdem Redner die von Stoliczka entlang dem Weg beobachtete Gebirgsstructur geschildert hatte, hob er die wesentlichen Ergebnisse unter den folgenden Gesichtspunkten hervor: [...]