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Über die Krystallform des Speisskobalts

Bauer, Max

Kurzfassung

In Poggendorff's Ann. Bd. 152 p. 249 1874 erschien eine Arbeit von Herrn P. Groth in Strassburg über die Krystallform des Speisskobalts (und Chloanthits), die den Verfasser zu folgenden Resultaten führten: 1. der Speisskobalt ist pyritoëdrisch; 2. die Krystalle des Speisskobalt sind thermoelektrisch theils positiv, theils negativ, wie Eisenkies und Kobaltglanz und diese Eigenschaften in Verbindung mit der pyritoëdrischen Hemiëdrie beweisen, dass die erwähnten drei Mineralien vollkommen isomorph sind, und dass demnach der Speisskobalt die Formel: (Co, Ni, Fe) As2 hat. Da sich hieraus Folgerungen von gewisser allgemeiner Wichtigkeit ergeben, so lohnt es sich der Mühe, diese Sätze und die zur Begründung derselben dienenden Beobachtungen etwas näher zu prüfen. Was zunächst die Krystallform betrifft, so führt Groth folgende Thatsachen an, welche für die pyritoëdrische Hemiëdrie beweisend sein sollen: Speisskobalt aus dem Kinzigthal zeigt neben Würfel scheinbare Oktaëderflächen, welche aber aus je drei Facetten zusammengesetzt sind, die sich in sehr stumpfen, unsymmetrisch liegenden Kanten schneiden, und demnach Flächen eines Diploëders sein sollen. Bei Krystallen von Riechelsdorf zeigen die Flächen des Würfels (in Combination mit dem Oktaëder) durch Rundung an zwei gegenüberliegenden Kanten die Andeutung eines Pentagondodekaëders. Unter den Krystallen von Wolkenstein waren Würfel, die schöne pentagonaldodekaëdrische Streifung zeigten, wie häufig die Würfelflächen des Schwefelkieses, welche herrühren von den Flächen zweier Pyritoëder, die nach ungefähren Messungen die Ausdrucke: [infinity sign O5/2] und [infinity sign O10/2] haben. Andere Würfel ebendaher zeigen ausser der Streifung eine beträchtliche Rundung an den Kanten, so dass bei Messung mittelst des Lichtschimmers während einer längeren Drehung fast fortwährend einzelne Flächentheile Licht reflectiren. Das Einstellen auf die Schimmermaxima ergab die Pyritoëder [infinity sign O(4/3)/2] = 4/3, ferner 5/4, 2, 1O/3 und 4, doch sind die Messungen zu ungenau, um das Auftreten dieser Formen als sicher festgestellt erscheinen zu lassen.