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Über die Hergänge während der Eruption auf Santorin, 1866 bis 1872

Schmidt, Jul.

Kurzfassung

Der alte Ringwall der Insel, in unbekannter Vorzeit entstanden, besteht jetzt aus den drei Abtheilungen: Santorin oder Thera, Therasia und der sehr kleinen westlichen Insel Aspronisi. Der Schauplatz der bekannten Eruptionen seit dem Jahre 200 vor Chr. war im Mittelpunkte des alten Kraters, in der Mitte des jetzigen Golfes von Santorin, und nur ein sicher bekannter submariner Ausbruch ausserhalb des Golfes hat gegen 1650 stattgefunden. Ungefähr 200 vor Chr. ward die südlichste der centralen Kaymenen oder ,verbrannten" Inseln gebildet, die Paläa Kaymeni; 1570-1573 entstand Mikra Kaymeni, die nördlichste, und 1707-1711, zwischen den Vorigen, die Nea Kaymeni. Am Südrande der letzteren haben sich die Eruptionen von 1866-1872 ereignet. Sie begannen zu Ende des Januars 1866 mit wenig lebhaften submarinen Erscheinungen. Zu Anfang des Februar traten solide, schon sehr abgekühlte Lavamassen, Blöcke und Trümmer über die Seefläche hervor, und zwar in dem kleinen südlichen Hafen, dessen braunes Wasser vormals die Eigenschaft hatte, die Kupferbelegung der Schiffe zu reinigen. Um diesen kleinen Hafen, besonders an der Ostseite, lag die 50 oder 60 Häuser und 2 Kirchen zählende Ortschaft Vulcano, die jetzt bis auf geringe Trümmer gänzlich verschwunden ist. Verlassen ward der Ort von den Bewohnern schon am Anfange des Februar 1866, als wegen Senkung des Bodens und wegen anderer drohender Erscheinungen es nöthig ward, diese Gegend zu meiden. Der neue Lavahügel im Vulcano-Hafen erhielt den Namen ,Georg"; der zweite am 13. Februar über See erschienene Hügel, südwestlich vom vorigen, ward ,Aphroessa" genannt, nach dem Schiffe der Athener Commission, welche von der griechischen Regierung nach Santorin beordert ward. Bis 19. Februar waren alle Erscheinungen ohne lebhaften Charakter.