Original paper

Ein Exemplar von Goniatites intumescens von ca. 60 Mm. Durchmesser

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

Der Erhaltungsart nach kann das Stück - ein aus weisslichem, zerreiblichen Dolomit bestehender Steinkern - wohl nur aus den hellfarbigen, z. Th. stark dolomitisirten Mergelkalken stammen, welche bei Büdesheim im Hangenden der Stringocephalenkalke auftreten und sich durch Lagerung und Fauna (Spirifer Verneuili, Rhynchonella cuboides, Camarophoria formosa etc.) als ein Aequivalent der belgischen sogen. Cuboidesschichten (Ibergerkalk) erweisen. So viel dem Vortragenden bekannt, ist es das erste Mal, dass sich in diesen Schichten in der Eifel auch Gon. intumescens gefunden hat, bekanntlich der typische Repräsentant der für die ältere Oberdevon-Fauna so bezeichnenden crenaten (oder primordialen) Goniatiten. Derselbe Redner legte weiter einen kleinen, aber sehr wohl erhaltenen vereinten Steinkern eines sehr dicken Goniatiten mit überaus weitem und tiefem Nabel und einer mit der von Gon. lateseptatus fast genau übereinstimmenden Sutur vor. Auch dies Stück war der Akademie mit der vorerwähnten Sammlung zugegangen und hatte sich in einer Schachtel mit Büdesheimer Goniatiten vorgefunden. Diese Goniatiten kommen bekanntlich in graulichen Mergelschiefern vor, welche im Hangenden der oben genannten Cuboideskalke liegen. Sollte der in Rede stehende Steinkern in der That aus den Büdesheimer Goniatitenschiefern stammen - wofür die Erhaltungsart allerdings zu sprechen scheint - und nicht etwa von einer noch unbekannten Eifeler Localilät, so wäre derselbe von grossem Interesse. Denn während es Regel ist, dass die nautilinen Goniatiten nicht über die obere Grenze des Mitteldevon hinausgehen, die crenaten aber sich auf das untere Oberdevon beschränken, so ist ein Zusammenvorkommen beider durchaus ungewöhnlich. Ja, obige Regel hat im grossen Ganzen eine so allgemeine Geltung, dass der Vortragende noch im vorigen Jahre Angaben, die mit ihr im Widerspruch stehen, in Zweifel ziehen zu müssen glaubte. Solcher Angaben sind indess nur wenige. Nach den Brüdern Sandberger ist Gon. subnautilinus bei Madfeld unweit Brilon (nach v. Dechen's Karte das gleiche Niveau wie Nehden) gefunden worden (Rhein. Schichtensystem in Nassau pag. 117). Weiter kommen nach Herrn v. Groddeck in der Gegend von Clausthal crenate und nautiline Goniatiten in ein und derselben Schicht vor, und neuere, sorgfältige Untersuchungen des Herrn Halfar scheinen jene Angabe in der That zu bestätigen. Darf nun der in Rede stehende kleine Goniatit wirklich als von Büdesheim stammend angesehen werden, so würden wir bereits drei Localitäten haben, wo die im Uebrigen für die Verbreitung des Goniatiten im Devon geltende Regel eine Ausnahme erleidet.