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Über die optischen doppelbrechenden Eigenschaften der triklinen Feldspäthe

Kosmann, Bemhard

Kurzfassung

Des Cloizeaux behauptete, durch die genauere Untersuchung dieser Eigenschaften am Albit, Oligoklas, Labrador und Anorthit zu Ergebnissen gelangt zu sein, welche der vor einigen Jahren aufgestellten Theorie Tschermak's, dass die intermediären triklinen Feldspäthe als isomorphe Mischungen der Grenztypen, nämlich des Albits und Anorthits, zu betrachten seien, hinfällig machen. Die optische Mittellinie des Albits ist positiv, die Axenzerstreuung ergiebt rho < upsilon, und ergiebt sich gleiches für den anorthit, wenngleich die orientation der axenebene des letzteren keine so bestimmte, wie an ersterem und ebenso wie am oligoklas und labrador. die bestimmung der positiven oder negativen beschaffenheit der optischen mittellinie im oligoklas erleidet schwankungen, die zerstreuung für die negative mittellinie des spitzen axenwinkels zeigt rho > upsilon. Am Labrador dagegen zeigt sich die optische Mittellinie stets positiv und die Axenzerstreuung in den Farben rho > upsilon. Es wird hieraus gefolgert: 1. dass gewisse Mineralvarietäten, wie der Mondstein von Mineral Hill, der Tschermakit vom Bamle in Norwegen auf den Albit, der Kalkoligoklas oder Hafnefjordit auf den Labrador zurückzuführen seien; 2. dass die Tschermak'sche Theorie mit Bestimmtheit für den Labrador zurückgewiesen werden müsse, insofern bei dem Zusammen treten zweier Minerale, deren Mittellinie negativen Charakter und deren Axenzerstreuung den Index rho < upsilon habe, nicht ein anderes mineral resultiren könne, welches eine mittellinie von positivem vorzeichen und einer axenzerstreuung rho > upsilon aufweise. Herr Bauer besprach die Analyse des Tschermakits von Pisani, die in derselben Arbeit von Des Cloizeaux angeführt ist, und die mit der Analyse von Hawes vollkommen übereinstimmt und ebenso mit der Tschermak'schen Theorie, nach welcher der Tschermakit ein Na-reicher Oligoklas ist. Des Cloizeuax erklärte ihn auf Grund seiner optischen Untersuchungen für Albit. Diese Untersuchungen dürften aber kaum geeignet sein, die Tschermak'sche Theorie als unzutreffend zu kennzeichnen, da diese Frage wesentlich vom chemischen Standpunkt aus entschieden werden muss, und da hat man doch gefunden, dass bei allen guten Analysen Theorie und chemischer Befund durchaus übereinstimmen.