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Die Porphyre des Luganersee's

Studer, B.

Kurzfassung

Die werthvolle Arbeit der Herren Negri und Spreafico über die Umgebungen von Varese und Lugano veranlasste die schweizerische geologische Commission, die Verfasser anzufragen, ob sie vielleicht geneigt wären, die geologische Colorirung des Blattes XXIV., Dufour, von seinem Westrande bis an das westliche Ufer des Comersees zu übernehmen, und diesem Wunsche wurde auf die verbindlichste Weise entsprochen. Nur in Betreff der in dieser Gegend auftretenden Porphyre wurde von uns eine von der in der erschienenen Karte abweichende Behandlung gewünscht. Als v. Buch im Jahre 1825 mit Mousson und mir mehrere Tage der Geologie des Luganersee's widmete und, 2 Jahre später, diese reizenden Gegenden wieder besuchte, glaubte er daselbst eine Bestätigung seiner kurz vorher in Süd-Tirol gewonnenen Resultate gefunden zu haben: einen rothen, quarzführenden Porphyr als Grundlage und einen jüngeren quarzfreien, schwarzen Porphyr, den er dem die Kalkgebirge emporhebenden und sie in Dolomit umwandelnden Augitporphyr Tirols gleichstellte. Da indess im schwarzen Porphyr des Luganersee's Augit nicht deutlich zu erkennen war, zog er für denselben die Benennung Epidotporphyr und später, nach Brongniart, Melaphyr vor. Im Jahre 1833 besuchte ich wieder diese Gegend und sah zwischen Melano und Maroggia deutliche Gänge des rothen Porphyrs im schwarzen aufsteigen, sowie ich früher bei Predazzo, am Abfall des M. Mulatto, Gänge des rothen Turmalingranits im aufliegenden Melaphyr gesehen hatte. Ich glaubte daher den rothen Porphyr als jünger erkennen zu sollen und gab darüber einen Bericht an die Société géolog. in Paris. Im gleichen Jahr hatten auch meine Freunde F. Hoffmamn und A. Escher auf ihrer Rückreise aus Italien eine nähere Untersuchung dieser Porphyre vorgenommen und ihren Bericht ebenfalls an die Société géologique gesandt. Wir hatten uns damals weder in Tessin noch in Bern gesehen. Die Gänge von rothem Porphyr im schwarzen wurden auch von ihnen constatirt. Zugleich fanden sie aber auf der Halbinsel von Corona und Morcote eine so enge Verbindung beider Steinarten und auch mit dem durch v. Buch als Granit beschriebenen drusigen Feldspathgestein, dass sie alle drei Steinarten nur als Abänderungen derselben Masse erkennen zu sollen glaubten, deren gleichzeitiges Hervortreten in eine ältere Zeit falle, als die Ablagerung der sie überdeckenden Kalksteine und Dolomite.