Original paper

Ueber C. E. Von Baer's Bos Pallasii aus dem Diluvium von Danzig

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

In der 1823 erschienenen zweiten Abtheilung der kleinen akademischen Schrift über die fossilen Wirbelthiere der Provinz Preussen hat der berühmte Nestor der deutschen Physiologen und Anatomen C. Ernst v. Baer den Knochenzapfen eines Horns ans dem Diluvium bei Danzig pag. 27 mit folgenden Worten beschrieben: Rathkii nostri benevolentia aliud examinandum cornu communicatum est, quod anno 1762 arando invenerat rusticus ad (pagum?) Wonnebergum, 5000 passus a porta Gedanensi Neugartenthor in collium serie, cujus mentionem jam in prooemio fecimus. [...] Bei der Beschreibung eines in dem Diluvium Schlesiens gefundenen Schädels des Moschusochsen (Ovibos moschatus) war es mir von Interesse, auch von den übrigen bisher in Deutschland gefundenen Resten dieses Thieres durch eigene Anschauung eine zuverlässige Kunde zu erhalten. Da nun W. Boyd Dawkins und andere Autoren den Bos Pallasii v. Baer als ein Synonym von Ovibos moschatus Blainv. aufführen, so war es von Wichtigkeit, auch den durch C. E. Von Baer beschriebenen Hornzapfen von Danzig zu sehen. Eine nach Danzig gerichtete Anfrage hatte einen unerwartet günstigen Erfolg. Herr Dr. Bail, Director des Museums des naturhistorischen Vereins in Danzig, ein werthgeschätzter ehemaliger Zuhörer von mir, hatte die Güte, mir nicht nur den durch C. E. Von Baer beschriebenen Hornzapfen, sondern noch einen zweiten offenbar derselben Art angehörenden und vor einigen Jahren ebenfalls im Diluvium bei Danzig gefundenen Hornzapfen zur Ansicht zu schicken. Die nähere Untersuchung dieser beiden Exemplare hat zu dem Ergebniss geführt, dass sie zu keinem der aus dem deutschen Diluvium bisher bekannten Wiederkäuer gehören, sondern von einer selbstständigen neuen Art herrühren. Die beiden Stücke sind hier nacheinander in ihrem besonderen Verhalten zu betrachten.