Original paper

,Uebersicht der bis jetzt in Thüringen und im Harz ermittelten Lothablenkungen"

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Aufmerksam gemacht durch Hrnrn v. Richthofen auf die höchst interessante Frage, inwieweit die ansehnlichen Lothablenkungen im Harz und zumal auf dem Brocken von geologischem Gesichtspunkte aus vielleicht eine Erklärung finden könnten, hat der Vortragende die von Hrn. Baeyer a.a.O. mitgetheilten Differenzen zwischen der auf geodätischem Wege vom Seeberg bei Gotha aus berechneten und der durch astronomische Messung gefundenen Polhöhen, welche in sehr übersichtlicher Weise auf einem Gradnetz in ihrer örtlichen Vertheilung dargestellt sind, mit einem von ihm nach den neuesten und älteren Beobachtungen im Harz entworfenen geologischen Uebersichtskärtchen verglichen. Dabei hat sich herausgestellt, dass, soweit die immerhin noch sehr lückenhaften Lothablenkungszahlen mit dem gegentheilig ziemlich vollständig in seinen Grundzügen bekannten geologischen Bild des Harz einen Vergleich gestatten, eine ganz auffällige Abhängigkeit der Lothablenkung statthat von der Vertheilung der basischen Eruptivgesteine, besonders des im Harz so constant und massenhaft und doch so ungleich verbreiteten Diabas. Dieses Resultat verdient umsomehr Beachtung, als es a priori einleuchtet, dass wenn Lothablenkungen nicht vorzüglich nach dem Volumen des im Relief der Erdoberfläche aufragenden Gebirgskörpers statthaben, derart, dass ohne wesentliche Einwirkung des Volumgewichts der das Gebirge zusammensetzenden Gesteine auf oder zunächst dem Haupterhebungspunkt die Ablenkung 0". 0 ist, am Fuss des Gebirges dagegen das Loth allseitig gegen jenen Haupterhebungspunkt hinzu abgelenkt wird, rationeller Weise zunächst an eine Abhängigkeit der Ablenkung vorzüglich von der Masse des Gebirges, d. h. von seinen specifisch schwersten Gesteinsmassen gedacht werden muss.