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Über das gegenseitige Niveau-Verhalten der Individuen in den sogen. Dauphinéer Zwillingen des Quarzes

Weiss

Kurzfassung

Allgemein bekannt sind die festungsartigen Zeichnungen auf verschiedenen Flächen der Quarzkrystalle, welche dadurch hervorgerufen werden, dass zwei Individuen derart mit einander verwachsen, dass Beide zwar die Axen gemein haben, aber das eine gegen das andere um 60º um die Hauptaxe gedreht erscheint, und dass beide Individuen in ihren Haupt- und Gegenflächen einen physikalischen Unterschied von Matt und Glanz zeigen, der bei der eigentümlichen Vertheilung desselben im Zwilling jene fleckigen Zeichnungen veranlasst. Man pflegt dabei als merkwürdig hervorzuheben, dass beide Quarzindividuen sich derart das Gleichgewicht und die Flächen des einen Individuums diejenigen des anderen so beständig im gleichen Niveau halten, dass es als eine ungewöhnliche Annahme erscheint, wenn einmal Krystalle gefunden werden, woran das eine Zwillingsindividuum aus dem anderen hervortritt und herausspringt. Dazu gehört der durch G. vom Rath beschriebene Fall an Krystallen von Oberstein, wo scheinbare Dihexaeder mit eingekerbten Kanten dadurch gebildet werden, dass wie beim Diamant das eine Individuum sich ein wenig über das andere erhebt und vorspringt. - Prüft man nun jene Dauphinéer Krystalle, welchen im Wesentlichen dasselbe Zwillingsgesetz zu Grunde liegt, nur mit unregelmässigem Verlaufe der Grenze, näher, so findet man, dass die gleichgeneigten Flächen erster und zweiter Ordnung der zwei Individuen durchaus nicht immer in ein und dieselbe Ebene fallen und dass ein mehr oder weniger grosser Niveau-Unterschied bei ihnen weit öfter vorkommt, als man es wohl bisher vermuthet hat, nur sind diese Unterschiede meist gering, zwar im Falle recht deutlicher Zeichnung auch am leichtesten erkennbar, aber in anderen Fällen schwieriger wahrzunehmen. Am deutlichsten ist die Zwillingszeichnung auf den Dihexaëderflächen (Di-Rhomboëder), den Flächen des dreifach schärferen Rhomboëders und den Säulenflächen.