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Über einige Funde von Geschiebesteinen mit Versteinerungen aus den Mergelgruben des Gutes Neuhaus bei Greifenhagen in Pommern

Kosmann, Bernhard

Kurzfassung

Gelegentlich eines Pfingstbesuches auf dem Gute Neuhaus bei Greifenhagen in Pommern wurden die daselbst mehrfach vorhandenen, im oberen Diluvialmergel angelegten Gruben bezüglich der darin enthaltenen Findlinge untersucht. Die dortige Gegend, in ungefähr 1 1/2 Meilen Entfernung vom rechten Ufer des östlichen Oderarms, der Reglitz, bietet den Charakter eines von leicht ansteigenden und breit gedehnten Hügelrücken unterbrochenen Flachlandes dar; die in demselben vorhandenen Einsenkungen sind entweder rinnenartige und langgedehnte Thäler alter und nun vertrockneter Flussläufe, oder beckenartige, deren Tiefstes mit einem See oder Teich ausgefüllt ist, deren Wasserstand ehedem, als die Entholzung dieses Landstriches begann, ein bedeutenderer war, wie aus der Bildung des Uferrandes leicht zu erkennen ist. Alle diese hervorstehenden Kuppen bestehen auf ihrer Höhe aus dem oberen Diluvialmergel, der von einer kleinen Sand- und Humusschicht bedeckt ist, und da in Folge der Oberflächenformation dieselben von der Seite her leicht zugänglich sind, so sind an vielen Stellen in den hochgelegenen Theilen derselben Mergelgruben angelegt, in welchen, wie an vielen Orten, der Mergel als Düngemittel gewonnen wird. Die hier vorgefundenen Geschiebe schliessen die bekannten Eruptivgesteine wie Granit, Syenit, Diorit, Glimmergneiss u.a. ein; so zeigte sich besonders ein sehr schöner Labradorporphyr, als auch Geschiebe von Basalt und rothem Porphyr. Von sedimentären Gesteinen war interessant das häufige Vorkommen des Vaginatenkalks, sowie jurassischer Sandsteine; es fand sich ausserdem der vorgelegte Block, bestehend aus der thonigen Varietät des von Roemer und Heidenhain beschriebenen Graptolithenkalkes aus dem Obersilur (diese Zeitschr. Bd. XIV. und XXI.), einschliessend ein 6" langes und 2" dickes Exemplar von Orthoceras duplex oder Ludense, mit schön erhaltenem randlichem Sipho, dessen hintere Endkammer mit braunem Kalkspath erfüllt war; die nächste Umgebung dieses Fossils wimmelte von Exemplaren des Monograpsus priodon (Ludensis) in bester Erhaltung und zeigte ausserdem einige Exemplare von Orthoceras gregarium. Ein anderes der vorgelegten Stücke gehört dem gleichfalls von Roemer charakterisirten, von Gotland stammendeu röthlichtin Kalkstein an, welcher durchweg von Stielgliederu des Cyathocrinus pentagonus und rugosus zusammengesetzt ist, auf deren einigen die radiale Streifung der Gelenkflächen gut zu beobachten ist.