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Ueber die neue Theorie des Vulkanismus des Herrn R. Mallet

Roth, Justius

Kurzfassung

In der theoretischen Geologie nimmt, wenn man von dem auf die Organismen bezüglichen Theil absieht, die Lehre vom Vulkanismus einen wesentlichen Platz ein. Sie umfasst die Lehre von den Vulkanen, den Erdbeben, der Hebung der Continente und Gebirgsmassen, der Gasquellen und Thermen und steht in engster Verbindung mit der Lehre vom Metamorphismus. A. v. Humboldt definirte bekanntlich den Vulkanismus (oder die Vulkanicität) als den Inbegriff aller Erscheinungen, welche der noch fortwährend wirksamen Reaction des Innern der Erde gegen ihre Rinde und Oberfläche zuzuschreiben sind. Er bezeichnet es ,als einen nicht geringen Fortschritt der neueren Geognosie, dass sie für diese ganze Kette von Erscheinungen eine gemeinschaftliche Ursache, die innere Wärme unseres Planeten, erkannt hat." Die Worte ,Reaction gegen die Rinde" weisen hin auf den schwierigsten und dunkelsten Theil der Geologie, auf die Anfänge der Erde. Hier, wo ausser der Geologie noch Astronomie, Physik. Chemie und Mechanik ein gewichtiges Wort mitzureden haben, prägt sich in dem Wechsel der Anschauungen der Fortschritt jener Disciplinen auf das Deutlichste aus. Die Ansicht, die Erde habe einst sich in feurigflüssigem Zustande befunden, darf als die jetzt allgemein angenommene und durch eine Reihe von Schlüssen wohl gestützt gelten. Aber über den Verlauf der Abkühlung, über die Beschaffenheit, Dicke, Erhaltung der Erstarrungskruste, über den Zustand des Kernes, über die zwischen Kruste und Kern befindlichen Schichten und folglich auch über die Theorie des Vulkanismus gehen die Ansichten weit auseinander, wie ich für einen Theil derselben in dem Aufsatz über Metamorphismus (1871) gezeigt habe. Im Anschluss an die Arbeit von R. Mallet: Volcanic energy: an attempt to develop its truc origin and cosmical relations (Phil. Transact. Royal Soc. Vol. 163. I. pag. 147 bis 227. 1873) soll im Folgenden dessen Theorie des Vulkanismus erörtet werden.