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Über die Lagerung des Cordieritgneisses von Lunzenau im Granulitgebirge Sachsens

Lehmann

Kurzfassung

Folgendes vor: Die aus grossen lenticulär zusammengefügten Linsen bestehenden Massen von Cordieritgneiss lassen im Grossen eine bestimmte Schichtenstellung erkennen, während an localen Anschwellungen sehr bedeutende Abweichungen von der Hauptrichtung vorkommen. Die Gneisspartie von Lunzenau hat von Göhren bei Rochsburg eine nordsüdliche Richtung mit einem mittleren Fallen von 45° in W., und ändert diese im weiteren Verlaufe bei Chursdorf in eine dem Schieferwall des Granulitgebirges mehr parallele, sodass sie von SW nach NO streicht. Der Zusammenhang des Gneisses von Chursdorf, welcher auf der Naumann'scheu Karte isolirt gezeichnet ist, lässt sich in einem Thälchen durch anstehende Felsen und Bruchstücke auf den Feldern deutlich nachweisen. An zwei Stellen der Cordieritgneissmasse von Lunzenau haben Bahneinschnitte eine concordante Lagerung des Cordieritgneisses und des Granulites erkennen lassen. Die Grenze wird durch glimmerreiche Granulitvarietäten und Einlagerung von Granatgneisslinsen vermittelt. An der Göhrener Brücke auf der rechten Muldeseite sah man den Granulit den Cordieritgneiss unterteufen und sich dem mit stumpfer Spitze auskeilenden Gneiss an schmiegen, während bei Rochsburg der Granulit den Gneiss überlagert. Alle senkrecht auf die Richtung der Gneisspartie eingeschnittenen Thäler, namentlich das von Elzdorf, lassen einerseits die Ueberlagerung, andererseits die Unterlagerung des Granulites erkennen. Locale Abweichung, wie in der Hoiersdorfer Schlucht, dem sogen. Brauseloche, erklären sich durch einen mächtigen Granitgang, welcher hier an der Grenze verläuft und in beide Gesteine Apophysen sendet. Somit muss der Cordieritgneiss von Lunzenau als eine Einlagerung in dem Schichtensysteme des Granulitgebirges angesehen werden. Der von Naumann gezeichnete Zusammenhang des Cordieritgneisses mit dem Schieferwall bei Schlaisdorf und Göhren ist thatsächlich nicht vorhanden, was durch kleine Thaleinschnitte erwiesen wird, wo überall Granulit dazwischen tritt. Damit muss auch die Anschauung von Naumann, nach welcher diese Gneisspartie eine bis zum höchsten Grade durch den Granulit metamorphosirte Thonschieferzunge sei, fallen. Herr Groth glaubte ähnliche Verhältnisse, wie die soeben geschilderten, bei Markirch im Elsass erkannt zu haben.