Original paper

Über die Bewegung des Firns

Pfaff

Kurzfassung

Herr Pfaff aus Erlangen sprach über die Bewegung des Firns nach Beobachtungen, die er auf dem Aletschgletscher in der Absicht angestellt hat, um eine wichtige Lücke auszufüllen, welche sich bisher in den Beobachtungen über die Gletscherbewegung gefunden hat, indem dieselben ausschliesslich auf die abwärtsgehende Bewegung des Gletschereises selbst, nicht aber auf die Bewegung des jährlich sich erneuernden Firns gerichtet worden waren. Die Beobachtungen sind in einer Meereshöhe von 9000 Fuss und an zwei mit genauen Skalen versehenen Blechröhren, die unten geschlossen waren und in 600 und 300 M. Entfernung vom Rande des Firns eingesenkt wurden, mit doppelten Fernröhren auf einem Stativ und einem Versicherungsfernrohre, welches auf einen Festpunkt an der gegenüberliegenden Felswand gerichtet war, angestellt worden. Der Firn bat danach eine horizontale, abwärts gerichtete Bewegung und eine verticale von oben nach unten. Dieselbe ist nach stündlichen Beobachtungen sehr complicirt, bald schnell, bald langsam, bald stillstehend in der Axenlinie des Firns und nur lateral. In vier Tagen war die vom Rande entferntere Röhre in horizontaler Richtung 104 Cm. fortgerückt und 82 Cm. gesunken, während die Oberflächenneigung nur 12 Cm. betrug; die dem Rande nähere Röhre resp. 41,5 Cm., 35 Cm. bei 8 Cm. Oberflächenneigung. Es ergiebt sich daraus, dass der Firn - eben wie auch der Gletscher - in der Mitte schneller vorrückt, als am Rande, und eine Bewegung vom Rande nach der Mitte hin besitzt. Die Erscheinungen, welche Tyndall und Helmholtz am Eise nachgewiesen haben, werden bei geringem Drucke, in längerer Zeit hervorgebracht. So wurde bei dem Drucke von 0,78 Atmosphäre Firn in 4 Tagen in Eis verwandelt. Die Veränderung, welche das Eis in seiner Gestalt erleidet, ist abhängig vom Drucke und von der Temperatur. Bei - 10 Grad bringt ein Druck von 8 Atmosphären diese Veränderung in 24 Stunden hervor, bei 0 Grad Temperatur genügt bereits ein Druck von 1/30 Atmosphäre. Herr Groth frug, wie es sich mit der Krystallachse bei dem aus dem Firn entstehenden Eise verhalte.