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Über die sicilische Schwefelformation

Stöhr

Kurzfassung

Ein fast 5jähriger Aufenthalt in der Provinz Girgenti in Sicilien hat mir Gelegenheit geboten nicht allein die dortige Schwefelformation zu studiren, sondern auch reiches Material zu sammeln, mit dessen Verarbeitung ich eben beschäftigt bin. Dabei unterstützen mich einige Freunde, und hat Herr Prof. Gemellaro in Palermo die Untersuchung der Fische übernommen, Herr Dr. v. Heyden in Frankfurt hat bereits die Insecten bestimmt, und Herr Dr. Geyler, ebenfalls in Frankfurt, die Bearbeitung der Pflanzenabdrücke vollendet. Hier gebe ich nun als vorläufige Notiz die Resultate der Untersuchungen dieser beiden Herren. Die Schwefelformation Siciliens erstreckt sich in einer breiten Zone, von Centuripe im Osten bis über Cattolica im Westen, durch die Insel in einer Ausdehnung von über 160 Kilom. Länge und über 80 Kilom. Breite. An 250 Gruben beuten heute die Schwefellager aus, und gewinnt man jährlich an 6 Millionen Centner Schwefel. Die Schwefelablagerungen befinden sich in sehr zerrissenem, bergigem Terrain, und bilden sie bald Flötze, bald stockförmige Lager, hauptsächlich aber linsenförmige Ablagerungen und kommen in allen Neigungen gegen den Horizont vor, von horizontaler bis verticaler Lage. Nicht selten liegen mehrere Lager übereinander, und schwankt deren Mächtigkeit von 1/2 bis zu 8 Metern. Der Schwefel kommt gediegen, mehr oder minder fein eingesprengt vor, in einer bald mergeligen, bald kalkigen, bald gypsigen Grundmasse. Die Schwefellager sind sedimentäre Bildungen, die sich in einer Menge vereinzelter, nicht zusammenhängender Becken abgelagert haben; die Vulcanthätigkeit des Aetna hat nichts damit zu thun. Das herumgegebene Stück zeigt deutlich, dass die Bildung nur auf wässerigem Wege erfolgt ist, indem tropfsteinartige Kalkspathzacken auf ihrer Spitze Schwefeloctaëder tragen.