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Über das Alter der Tentaculitenschichten in Thüringen

Liebe

Kurzfassung

Die ,Tentaculitenformation" (ein provisorischer Name) besteht in einem Complex von unten lichteren und oben dunkleren zusammengehörigen Schiefern mit unzähligen Tentaculiten, die sich nach unten mehr und mehr häufen, aber auch bis zur oberen Grenze noch aushalten, und verschieden sind von den oberdevonischen. Darin sind eingelagert 1) Knotenkalke, immer tief unten, aber nicht immer als Unterstes, bald stärker, bald recht schwach entwickelt; 2) Kalkgrauwacken, Sandsteine, deren kalkiges Bindemittel viel Mangan enthält; 3) Schiefer, kalkig durch erhaltene Tentaculitenschalen; 4) Quarzitschwarten, meist gewunden, mit den Nereograpsen (Nereitenquarzite). Letztere nehmen nach oben hin an Zahl und Dicke der Lagen ab. Es lagert die Formation auf einer über 8 Meilen langen Linie im östlichsten Thüringen auf, am häufigsten auf altsilurischem Schiefer, fast ebenso häufig auf den unteren Graptolithenschiefern (Kieselschiefern), seltener auf Diabasen, welche dem älteren Silur an der Grenze der Phykodesschiefer angehören, und ebenso selten auf Graptolithenkalk; am seltensten auf dem oberen Graptolithenschiefer (Alaunschiefer). Dagegen ist die ganze Abtheilung, einige wenige durch Verwerfung leicht zu erklärende Fälle abgerechnet, von dem mittleren Devon concordant überlagert, so dass sie im Ausstreichen ein schönes Band bildet. Discordante Auflagerung auf Graptolithenkalk und auf dem ganzen Graptolithensystem kommt auch vor. Die Lagerung ist (nach L.) so zu erklären, dass mich Absatz des mittleren und vielleicht jüngeren mittleren Silurs vor der Ablagerung des Tentaculitencomplexes ein Zeitraum existirte, in welchem die Silurschichten theilweise fortgeführt werden konnten. Dieser Zeitraum kann nur der jüngeren Silurzeit angehören. Mithin muss die Tentaculitenformation mehr devonisch als silurisch sein. Redner hält sie für ein zwischen Silur und mittlerem Devon vermittelndes System, welches aber mehr dem Devon angehört. Herr Gümbel meinte, man könne die unteren Kalkknoten-führenden Schichten dem Silur und die anderen dem Devon zuzählen. Herr Richter bemerkte dagegen, dass in Thüringen zunächst der ganze Complex, den er seither als obersilurisch zusammengefasst habe, durchaus concordant gelagert sei, dagegen (bei dem Fehlen des Unterdevon) das Mitteldevon discordant dem Obersilur aufliege (besonders deutlich bei Laasen).