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Über mikroskopiche Untersuchungen, die er an Dünnschliffen vom ,derben Granat" (Allochroit) angestellt hat

Wichmann, Arthur

Kurzfassung

Danach ergiebt sich, dass die Granatsubstanz darin einer verschiedenen Ausbildung fähig ist. Die Substanz kann nicht individualisirt sein, wie dies in den Vorkommnissen von Wierum bei Drammen, von Bayrenth u. s. w. der Fall ist. Ferner kann die Substanz individualisirt sein, und ist dieselbe dann in Gestalt unregelmässig begrenzter Körner oder in Form deutlicher Krystalle ausgebildet. Die einzelnen Körnchen oder Krystalle sind zumeist in Kalkspath oder Quarz eingebettet. Namentlich schön entwickelt sind die Vorkommnisse von Berggiesshübel und vom Teufelstein bei Schwarzenberg in Sachsen. Während die Körner durch nichts Besonderes ausgezeichnet sind, weisen die Krystalle, die meist in regelmässig sechsseitigen Durchschnitten auftreten, einen prächtigen schalenförmigen Aufbau auf. Bei Betrachtung derartiger Krystalldurchschnitte im polarisirten Lichte gewahrt man eine eigenthümliche Erscheinung. Der innere Krystallkern wird nämlich vollständig dunkel, während die umgebenden Krystallschalen die schönsten Polarisationsfarben aufweisen und zwar erscheinen die abwechselnden Zonen verschieden gefärbt. Eine fernere Eigenthümlichkeit der Erscheinung ist, dass nicht die einzelnen Schalen im Umkreise gleiche Farben erkennen lassen, was der Fall sein müsste, wollte man das Phänomen als durch Lamellarpolarisation hervorgerufen erklären, sondern je zwei gegenüberliegende Systeme weisen immer gleiche Polarisationserscheinungen auf. Dass diese Krystallschalen ihrer Substanz nach auch wirklich Granat sind, ergiebt sich daraus, dass eine derartige Ausbildung auch an und innerhalb der unregelmässig begrenzten Körner bemerkt wird. Bei gekreuzten Nicols leuchten auch hier diese Zonen mit lebhaften Farben heran während das Granatkorn selbst absolut dunkel erscheint. In den Vorkommnissen des ,derben Granats" von Berggiesshübel gewahrt man auch solche, in denen sich das Granat-Individuum selbst als doppelbrechend erweist. Diese zeigen einen nur wenig entwickelten schalenförmigen Aufbau. Bei Anwendung des polarisirten Lichts zerfällt der sechsseitige Durchschnitt in sechs gleiche, scharf begrenzte Felder, von denen je zwei gegenüberliegende gleiche Farben aufweisen. Es gelang nicht, eine genügende Erklärung für dieseam Granat gewahrten Doppelbrechungs-Erscheinungen nachzuweisen, zumal sich durchaus keine Analogie mit derartigen in anderen regulären Körpern beobachteten Erscheinungen wahrnehmen lässt. Im Uebrigen erkannte schon Des Cloizeaux, dass der Grossular doppelbrechend sei.