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Die Ammoniten der Kreide und die Systematik der Ammonitiden

Neumayr, M.

Kurzfassung

Einleitung. In der ganzen Zoologie und Palaeontologie existirt kein zweites so ausgedehntes Formengebiet, welches lange fast ohne alle generische Gliederung geblieben ist, als dasjenige, welches bis vor Kurzem allgemein und vielfach noch jetzt unter dem Namen Ammonites zusammengefasst wird. Es ist dies dasselbe Verhältniss, wie wenn man eine einzige Gattung Trilobites festhalten, oder alle Seeigel in fünf oder sechs Genera eintheilen würde. Wohl der Hauptgrund dafür, dass sich selbst in einer so viel bearbeiteten Abtheilung wie bei den Ammoniten dieser Zustand erhalten konnte, ist in dem Umstände zn suchen, dass bei dem gewöhnlichen Erhaltungszustande derselben die systematisch wichtigsten Charactere in der Regel nicht erhalten sind; dadurch wird das Studium der natürlichen Verwandtschafts-Verhältnisse auf einen weiten Umweg gedrängt, und auch jetzt, nachdem auf einem solchen eine Annäherung an dieses Ziel erreicht ist, bietet eine scharfe Charakterisirung der als zusammengehörig erkannten Abtheilungen die grössten Schwierigkeiten. Die Anregung zu einer rationellen Unterabtheilung der Ammonitiden ist vor etwa 10 Jahren von Suess ausgegangen und durch seine Arbeiten, sowie durch diejenigen von Laube, Mojsisovics, Waagen und Zittel sind heute die Formen aus Trias und Jura in kleinere Gattungen eingetheilt, während für die palaeozoischen und cretacischen Arten noch nicht viel mehr als die ersten Anfänge vorliegen. Für das letztere Gebiet will ich hier die noch vorhandene Lücke auszufüllen versuchen, indem ich hierbei die kurze Skizze ausführe und in einzelnen Punkten berichtige, welche ich bei einer früheren Gelegenheit über die Fortsetzung und Entwickelung einiger jurassischer Typen in der Kreidezeit gegeben habe.