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Mt. Blanc-Studien. Ein Beitrag zur mechanischen Geologie der Alpen.

Pfaff, Fr.

Kurzfassung

Wenn man auch nur die Lagerungsverhältnisse der geschichteten Gesteine in den Alpen ins Auge fasst, erkennt man schon die volle Berechtigung des Ausspruches von Gümbel, welcher dieselben als das Schmerzenskind der Geologie bezeichnete. Wo man an dieselben herantritt und sich mit ihnen beschäftigt, immer ist es eine, wenn auch noch so freudig unternommene, doch von Schmerzen begleitete Arbeit. Es ist geradeso als ob alle Räthsel der ganzen Geologie hier in der riesigsten Lapidarschrift einem vor Augen gestellt wären, zugleich aber auch in der anziehendsten Weise vorgelegt. An mannigfachen Versuchen zur Lösung dieser Räthsel fehlt es nicht, aber die immer neu sich wiederholenden sind der beste Beweis, dass keine der bisherigen vollständig befriedigt. Vielleicht liegt der hauptsächlichste Grund darin, dass sie meist beabsichtigen, eine Theorie für die Bildung des Alpengebirges im Ganzen zugeben, und dass dadurch dieselben so allgemein wurden, dass sie im besonderen Falle wenig zu dessen Erklärung leisteten. So richtig auch eine allgemeine Theorie sein mag, so ungenügend ist sie, wenn der specielle Fall nicht aus ihr sich völlig erklären lässt, und je grösser die Zahl dieser besonderen, der Erklärung noch harrenden Falle gegenüber den befriedigend erklärten ist, desto geringer wird das Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit jener Theorie werden müssen. In diesem letzteren Falle befinden sich alle Theorieen über den Bau der Alpen und es dürfte sich wohl sehr vielen, die sich damit beschäftigten, die Frage aufgedrängt haben, ob es nur überhaupt rathsam und möglich sei, gegenwärtig nach einer solchen zu suchen, und ob es nicht vielleicht förderlicher sei, einzelne Fälle möglichst genau zu untersuchen und zu sehen, ob für diese irgend eine Erklärung gefunden werden könne. Dann wird sich daran wohl die Frage reihen, ob diese auch noch für den einen oder anderen weiteren Fall passe. Wie gross auch dann noch die Gefahr sei, die stets mit dem Verallgemeinern verbunden ist, davon werden wir im Folgenden einen neuen Beweis finden. Unter den verschiedenen, ein kleines Ganze für sich bildenden Massen der Alpen, die Studer sehr passend als ,Centralmassen" bezeichnete, ist kaum eine andere zu finden, welche auch räumlich so isolirt sich zeigte, wie der Gebirgsstock des Mt. Blanc.