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Ueber die Zusammeusetzung des Leukophans und des Melinophans.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Esmark nannte Leukophan ein Mineral aus dem Zirkonsyenit Norwegens, und zwar von Lammö bei Stockö an der Mündung des Langesundfjords. Die ersten Angaben über seine krystallographischen Verhältnisse gab Wallmark, welcher drei Spaltungsrichtungen bemerkte, die auf ein nahe rechtwinkliges Prisma führen, welches er indessen für eingliedrig hielt. Das Mineral gewann dadurch an Interesse, dass A. Erdmann im Jahre 1840 dasselbe als eine Verbindung von Fluornatrium und einem Silicat von Beryllerde und Kalk erkannte. Die Form und das optische Verhalten des Leukophans sind später von Des Cloizeaux, Greg und Lang untersucht worden; indessen ist es erst E. Bertrand geglückt, durch Messungen an Krystallen die Constanten festzustellen. Demnach krystallisirt das Mineral zweigliedrig und bildet Combinationen eines Rhombenoktaëders mit den drei zugehörigen Paaren und der Hexaidfläche a, nebst einigen anderen Formen. Das Axenverhältniss ist a:b:c = 0,9827: 1:1,2907. Die vollkommenste Spaltbarkeit entspricht der Endfläche; doch scheint noch eine andere nach dem zweiten oder dritten Paar vorhanden zu sein. Nach Des Cloizeaux ist die Ebene der optischen Axen die Axenebene bc; ihre Mittellinie, welche negativ ist, ist also die Axe c, und der Axenwinkel etwa 75°. Im Jahre 1852 beschrieb Scheerer ein gelbes Mineral, gleichfalls aus dem norwegischen Zirkonsyenit, welches anfänglich für Wöhlerit gehalten wurde, nannte es Melinophan, und theilte eine vorläufige Analyse R. Richter's mit, nach welcher es dieselben Bestandteile wie der Leukophan, jedoch viel Thonerde und wenig Fluornatrium enthielte. Der Wunsch, die chemische Natur beider Mineralien zu vergleichen, bewog mich im Jahre 1856 zu einer wiederholten Analyse, für welche ich das Material 1855 von Saemann in Paris erhalten hatte.