Original paper

Ueber neue Vorkommnisse von Vesuvian und Chiastolith in Norwegen.

Brögger, W. C.

Kurzfassung

Auf der Frühlings-Excursion, welche Herr Prof. Kjerulf gewöhnlich mit den Studirenden der Mineralogie alljährlich unternimmt, hatte ich Gelegenheit, zwei neue, durch eigenthümliche Verhältnisse ausgezeichnete Vorkommnisse von Vesuvian und Chiastolith aufzufinden. Einige kurze Bemerkungen mögen hier auf Veranlassung des Herrn Prof. Kjerulf, welcher mir gütigst alles eingesammelte Material zur Verfügung stellte, mitgetheilt werden. I. Vesuvian bei Drammen. Wenn man am Wege von Drammen nach den Gruben bei Konerud die Grenze des Drammengranits und eine schmale Zone von harten Schiefern mit dichtem Granat überschritten hat, trifft man dicht am Wege schwachfallende Schichten eines unreinen, durch und durch veränderten Gesteins, welches Vesuvian, theils in wohlausgebildeten Krystallen, theils krystallinisch derb, umschliesst. Das Vesuvian-führende Gestein ist von gelblichweisser oder schmutzigweisser Farbe, sehr feinkörnig, zerfallend, durch seine ganze Masse schwammähnlich mit Hohlräumen erfüllt, welche von ausgewitterten organischen Resten (fast ausschliesslich verschiedenen Arten von Korallen) herrühren. Die Höhlungen, welche also als Abdrücke der äusseren Oberfläche der Versteinerungen aufzufassen sind, treten durch einen dunkleren, braun gefärbten Ueberzug immer scharf und deutlich auf dem helleren Gestein mit charakteristischer Form hervor, selbst da, wo - es ist dies der gewöhnliche Fall-die feineren Structuren völlig verwischt sind. Mit Sicherheit kann nur Halysites catenularia Linné bestimmt werden, dessen Röhren, von der Schichtung ganz unabhängig, kreuz und quer das Gestein in grosser Menge durchsetzen; andere grössere Höhlungen sind auf mehrere zahlreiche Cyathophylliden (darunter vielleicht Omphyma sp., Streptelasma sp. u. s. w.) zu deuten. Ferner wurde ein Abdruck nach einem Brachiopoden u. s. w. bemerkt.