Original paper

Ueber einige fossile Radiolarien aus der norddeutschen Kreide.

Zittel, Karl A.

Kurzfassung

Durch ausdauernde, vierzig Jahre lang fortgesetzte Bemühungen bat Ehrenberg in Ablagerungen von verschiedenstem Alter einen früher ungeahnten Reichthum an Ueberresten winzig kleiner Lebewesen nachzuweisen vermocht. Sein umfangreiches, in dem Atlas der Mikrogeologie und in anderen Schriften mit naturwahrer Treue bildlich dargestelltes Material, wird stets, selbst wenn die fortschreitende wissenschaftliche Erkenntniss manchen der abgebildeten Reste eine andere Deutung unterlegt hat, die Grundlage für alle mikrobiologischen Forschungen in der Geologie bleiben. Die jüngst veröffentlichten Tabellen geben eine Uebersicht der erstaunlichen Menge fossiler, in marinen und limnischen Bildungen von Ehrenberg seit 1835 beobachteter mikroskopischer Organismen. Betrachtet man in diesen Namenslisten die Seiten, welche den Polycystinen gewidmet sind, so findet man dort 326 Nummern verzeichnet. Die überwiegende Mehrzahl derselben, nämlich 278, stammt aus dem tertiären Radiolariengestein der Insel Barbados, die anderen vertheilen sich auf wenige Localitäten aus verschiedenen Theilen der Erde. Nächst Barbados haben die Nicobaren die grösste Menge von fossilen Radiolarien geliefert (über 100), nach ihnen kommen Caltanisetta in Sicilien mit 24 Arten, Aegina in Griechenland mit 11 Arten, Simbirsk bei Kasan (11 Arten), Morro de Mijellones an der Grenze von Chile und Bolivia (7 Arten), Richmond, Petersburg und Piscataway in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika (6 Arten), die Bermudas-Inseln (5), Oran in Afrika (4), Zante in Griechenland (3) und endlich Lublin in Polen (3).