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geologische Karte des westlichen Südtirol

Lepsius, Richard

Kurzfassung

Das untersuchte Gebiet umfasst die Umgebung des Garda- und Idro-Sees, ganz Judicarieu, Val Rendena, Val di Non und das Mendola-Gebirge, nördlich mit dem Ultenthal abschliessend, also im Allgemeinen die Gebirge zwischen Etschthal und Adamello-Gruppe. Geognostisch betrachtet, gehören diese Gebirge dem westlichen Flügel einer Trias- und Juramulde an, welche in Form einer Bucht vom südlichen Rande der Alpen tief nach Norden gegen die Central-Alpen einspringt. Die Basis dieser NO-SW streichenden Mulde bilden die krystallinischen Schiefer, welche westlich am Granit des Adamello, östlich an der Cima d'Asta und bei Recoaro auf der Oberfläche erscheinen. Auf diese Gneisse und Glimmerschiefer legt sich da, wo das nur local mächtig entwickelte Rothliegende fehlt, unmittelbar eine in Südtirol weit verbreitete Quarzporphyr-Decke, welche aus der Umgegend von Bozen bekannt, auch überall an der westlichen Umwallung der Etsch-Mulde vom Ultenthal an durch Val Rendena und Judicarien bis zum Val Trompia hin unter der Trias hervortritt. In einer Mächtigkeit von 1000' beginnt der Buntsandstein über dieser Quarzporphyr-Decke die Trias-Formation. Darüber lagern sich bunte glimmerreiche Kalkplatten voller Versteinerungen, in ihren unteren Horizonten durch Posidonomya Clarae, ihren oberen durch Ceratites Cassianus charakterisirt, beide Horizonte getrennt durch ein constant durchlaufendes System von oolithisch aussehenden Gastropoden-Bänken. Diese bunten Kalkplatten wurden früher von Benecke als Röth, neuerdings von Gümbel als Unterer Muschelkalk angesprochen. Eine leicht erkennbare, überall im vorliegenden Gebiet verbreitete mächtige (bis 250') Decke von Zellendolomit und Gyps trennt diese Kalkplatten von den bis 600' mächtigen schwarzen Trochitenkalken darüber; diese werden abgeschlossen durch eine wichtige Brachiopoden-Bank, welche Terebrateln in Menge, Spiriferen und die ersten kleinen globosen Ammoniten führt.