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Der Bernstein der norddeutschen Ebene auf zweiter, dritter, vierter, fünfter und sechster Lagerstätte.

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die Mittheilung des Hrn. Remelé in der Julisitzung 1875 der Deutschen geologischen Gesellschaft über eine Bernsteinführende Schicht im oberen Geschiebemergel zu Neustadt-Eberswalde ist für die Geologen des Flachlandes der grössten Aufmerksamkeit werth. Herr Prof. Beyrich hat ohne Zweifel sogleich deren richtige Erklärung gegeben, indem er, geleitet durch den glaukonitischen Sand, welcher die Bernsteinstücke umhüllte, und die sogen. ,Schicht" bildete, das Ganze als eine, vom Geschiebemergel umwickelte Scholle des Bernstein - führenden Tertiärgebirges bezeichnete. Die Materialien, welche der Geschiebemergel enthält, sind so unendlich mannigfaltig und befinden sich dabei in einem so wüsten Gemenge, dass eine andere Erklärung des Zusammenvorkommens von glaukonitischem Sand und Bernstein gar nicht zulässig wäre. Wohl ist, wie einige schlesische Fundorte zu beweisen scheinen, bei der Bildung des Geschiebemergels dem Wasser hin und wieder Gelegenheit gegeben, den in demselben zerstreuten Bernstein zu sammeln, aber wenn auch Sandkörner und Glaukonitkörner überall im Geschiebemergel verbreitet sind, so kennt die Geologie doch kein ordnendes Agens, das diese beiden Mineralien mit dem Bernstein zusammen gruppiren und zwar so ablagern könnte, wie es in dem ganz selbstständigen regelmässig geschichteten Tertiärgebirge der Bernsteinformation geschehen ist. Möge die mürbe Beschaffenheit des Gesteins, das nur einen schwach gebundenen Sand, keinen wirklichen Sandstein darstellt, Niemanden veranlassen, an der Realität des Schollencharakters zu zweifeln.