Original paper

Ueber das Eisen von Grönland.

Steenstrup, K. J. V.

Kurzfassung

Aus dem Dänischen im Auszug übersetzt von C. Bammelsberg. Unter den wissenschaftlichen Funden, mit denen Prof. Nordenskiöld auf seinen Polarreisen die Geologie bereichert hat, ist keiner von grösserer Bedeutung als der am 31. August 1870 am Blaafjeld auf Disco in Nord-Grönland gemachte der grössten Masse gediegenen nickelhaltigen Eisens. Ja seiner energischen Bemühung verdanken wir es, dass im folgenden Jahr die schwedische Regierung ein Schiff unter dem Befehl des jetzigen Marineministers, Freiherrn v. Otter, absandte, um den ganzen Fund nach Europa überzuführen. Norednskiöld erklärte in seinem Bericht über die grönländische Expedition von 1870 dieses Eisen für meteorisch, indem er sich auf die chemische Natur, die Form und das Aussehen desselben stützte. Da er an derselben Stelle vereinzelte Partieen gedlegenen Eisens in dem unterliegenden Basalt entdeckte, und Theile dieses Gesteins die grossen Eisenmassen an einzelnen Punkten wie eine Schale umgeben, so versetzte er den Fall des Eisens in die Zeit der grönländischen Basalterhebung, d. h. in das Ende der Kreide- oder den Anfang der Tertiärformation. Während er aber ursprünglich einen Fall von reinem Meteoreisen annahm, betrachtete er, seit Dr. Nauckhoff's analytischen Untersuchungen, einen Theil des am Eisen festsitzenden Gesteins als zum Fall gehörig, indem er sagt: ,Es scheint, als ob die grossen Eisenklumpen nur Theile eines grossen Meteoriten wären, dessen Grundmasse von einem eukritartigen Silicat gebildet wird." Wenn man in einem anstehenden Gestein ein von dessen Gemengtheilen verschiedenes Mineral findet, und ferner an gleichem Fundort lose abgerundete Stücke desselben Minerals bemerkt, theils für sich, theils in innigem Zusammenhang mit dem Gestein, so dass alle möglichen Uebergänge in dieser Beziehung vorliegen, wie soll man ein solches Vorkommen deuten? Entweder ist das Mineral in dem Gestein gebildet, und die losen Stücke sind Bruchstücke davon, oder das lose wie das festsitzende Mineral sind aus der Luft in das Gestein gefallen und erst später durch Entblössung wieder zum Vorschein gekommen. Für alle Mineralien, mit Ausnahme eines einzigen, wird die Antwort nicht zweifelhaft sein, und dieses eine ist metallisches, nickelhaltiges Eisen. Was berechtigt dieses eine Mineral, gleichsam eine eigene Deutung zu beanspruchen?