Original paper

Ueber das Vorkommen von Culmsckichten mit Posidonomya Becheri in Portugal.

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

Nachdem ich auf Grund eigener Beobachtungen die Verbreitung von schiefrigen Gesteinen mit Posidonomya Becheri in ausgedehnten Flächenräumen auf dem Südabfalle der Sierra Morena in Andalusien hatte nachweisen können, wurde es mir durch die Vergleichung des orographischen Verhaltens und durch einzelne geologische Angaben bei Portugiesischen Schriftstellern wahrscheinlich, dass dieselben schiefrigen Gesteine auch über den Guadiana hinaus gegen Westen nach Portugal hinein sich forterstrecken. Diese Vermuthung ist neuerlichst durch Mittheilungen, welche ich dem Herrn J. F. N. Delgado in Lissabon verdanke, zur vollsten Gewissheit geworden. Nachdem dieser Beobachter schon in einem 1870 erschienenen Aufsatze eine kurze Uebersicht über die verschiedenen in Portugal vertretenen Abtheilungen der palaeozoischen Formation gegeben und in dieser eine Schichtenfolge als wahrscheinlich dem Nassau'schen Posidonomyen-Schiefer entsprechend aufgeführt hatte, hat er in einer grösseren erst in diesem Jahre erschienenen Arbeit über das Auftreten angeblich Silurischer Schichten in dem unteren Theile der Provinz Alemtejo der Posidonomyen-führenden Schiefer wiederum Erwähnung gethan. Bei der Beschreibung eines schiefrigen Schichten-Systems, welches die grossartige 500 Meter lange und 130 Meter breite linsenförmige Erzlagerstätte von kupferhaltigem Schwefelkies von S. Domingos unweit Mertola um Guadiana einschliesst und welches wegen der neuerlichst darin aufgefundenen Nereiten als Silurisch betrachtet wird, werden zugleich die Lagerungsverhältnisse dieses Schichten-Systems gegen die zunächst älteren und jüngeren Ablagerungen erörtert und wird nachgewiesen, dass, während die Unterlage durch ein mächtiges azoisches Schichten-System von Talk- und Chlorit-führenden halbkrystallinischen Thonschiefern mit zahlreichen untergeordneten Urkalklagern gebildet wird, das nächst jüngere Gebirgsglied dagegen aus den zur unteren Abtheilung des Steinkohlengebirges gerechneten Schichten mit Posidonomyen besteht.